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Freitag, 30. Juli 2010

Finanzierungsverantwortung liegt beim Bund /28.7.10

Finanzierungsverantwortung für den Rückbau kerntechnischer Anlagen der DDR liegt beim Bund
Errichtung und Betrieb von Endlagern ist eine staatliche Aufgabe
Stilllegung des Endlagers Morsleben ist einigungsbedingte Altlast

Zur aktuellen Berichterstattung über die Kosten, die dem Bund durch den Rückbau und die Stilllegung kerntechnischer Anlagen entstehen, erläutert das BfS: Der Staat übernimmt die Finanzierung von Rückbau und Stilllegung derjenigen kerntechnischen Anlagen, die von Bund oder Ländern selbst betrieben wurden, von anderen Betreibern übernommen wurden oder mit der Wiedervereinigung von der DDR in Bundesbesitz übergegangen sind. Dies sind zum Beispiel Kernforschungseinrichtungen der öffentlichen Hand und das Kernkraftwerk Greifswald als ehemalige DDR-Anlage. Die Stilllegung des Endlagers Morsleben wird als einigungsbedingte Altlast vollständig aus staatlichen Mitteln bestritten. Die Stilllegungskosten für das Endlager Asse werden ebenfalls vom Staat getragen. CDU, CSU und FDP haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Energieversorger an den Kosten der Stilllegung des Endlagers Asse zu beteiligen.

Der Rückbau von Kernkraftwerken wird dagegen von den Energieversorgern selbst finanziert. Die Errichtung und der Betrieb von Endlagern ist zwar eine staatliche Aufgabe, die Kosten hierfür werden aber den Abfallverursachern anteilsmäßig in Rechnung gestellt. Dies betrifft derzeit die Errichtung des Endlagers Konrad sowie die Erkundung des Salzstockes Gorleben. Abfallverursacher der öffentlichen Hand werden entsprechend dieser Regelung an den Kosten beteiligt.

Die Energieversorgungsunternehmen (EVU) sind gesetzlich verpflichtet, für Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken (AKW) sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle Rückstellungen zu bilden. Weiterhin obliegt ihnen die Gewährleistung, dass die Finanzmittel zum entsprechenden Zeitpunkt in erforderlicher Höhe zur Verfügung stehen. Dies war jedoch in der Vergangenheit aufgrund akuter Finanznot der Betreibergesellschaften nicht immer der Fall (siehe THTR 300 – Thorium Hochtemperatur Reaktor – in Hamm- Uentrop). Solange die Rückstellungen nicht in einen öffentlich kontrollierten Fond überführt sind, ist zu befürchten, dass sich dies wiederholen könnte – insbesondere in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Vor dem Hinter grund der Debatte über Laufzeitenverlängerung und den zu erwartenden Mehreinnahmen der Betreibergesellschaften stellt die GRÜNE Bundstagsabgeordnete Sylvia Korting-Uhl die Frage nach deren Höhe und Verwendungszweck.

Der Bundesregierung liegen keine aktuellen Kostenschätzungen für die Errichtung und den Betrieb eines Endlagers für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle vor. Derzeit wird unter der Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eine vorläufige Sicherheitsanalyse für den Standort Gorleben erstellt, deren Ergebnisse die Grundlage für eine Aktualisierung des Endlagerkonzepts bilden soll. Eine belastbare Kostenschätzung für den Standort Gorleben ist erst möglich, wenn diese Aktualisierung vorliegt.

Freitag, 9. April 2010

Asse: Risiken von Kohl-Regierung vertuscht? /31.3.10

Atommüll-Lager Asse
Risiken von Kohl-Regierung vertuscht
Von Steven Geyer

Berlin. Rund 3,7 Milliarden Euro wird es nach Schätzung des heutigen Bundesumweltministers kosten, das Debakel halbwegs aufzuräumen: Seit Jahrzehnten lagert im niedersächsischen Atommüll-Lager Asse hochgiftiger Abfall - obwohl das Ex-Bergwerk undicht ist. Wie jetzt aufgetauchte Dokumente belegen, war das Verstrahlungsrisiko der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU) bereits seit 1988 bekannt - wurde aber immer wieder, noch bis ins Jahr 1997, aktiv vertuscht.

Schon seit den 80er Jahren wussten der staatliche Asse-Betreiber GSF, dass Wasser eindringt und die Verseuchung des Grundwassers drohte. Als 1995 ein Geologe in seiner Habilitation nachgewiesen hatte, dass das Wasser von außen kommt, verhinderte die GSF eine Nennung der Asse. Die Erkenntnisse "unterliegen der Vertraulichkeit", schrieb sie dem Forscher 1996 und forderte "neue Fassungen der betreffenden Kapitel" an. In der Endfassung fehlt der Name Asse.

Auch den Bundesforschungsminister unter Kohl und heutigen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers (CDU), belasten die Aktenfunde: Sein damaliges Ministerium war eine der treibenden Kräfte bei der Vertuschung. So schrieb im März 1997 - zwei Jahre, nachdem die Regierung ohne Verweis auf die bekannten Probleme entschieden hatte, die Asse zu schließen - ein Vertreter der Atomkraftwerksbetreiber an Kohls Forschungsminister Rüttgers. Er bot ihm an, dass die AKW-Betreiber "jährlich ca. 200.000 DM" für "Besucherführungen im Forschungsbergwerk Asse zur Verfügung zu stellen". Das "Programm" hätten die Vorstandsvorsitzenden erarbeitet.

Diskussion unterdrückt

Bevor das Ministerium seine Zustimmung gab, klärte es intern, wie trotz der Besucherführungen "eine öffentliche Diskussion der seit 1988 festgestellten Laugenzutritte vermieden werden kann". Darauf weist ein Referent in einem Vermerk vom April 1997 hin, den er dem Entwurf für den Antwortbrief vorangestellt hat.

Am 29. April antwortet Rüttgers´ Staatssekretät Helmut Stahl. "Herr Dr. Rüttgers hat mich gebeten, Ihnen zu antworten ... dass einer Öffentlichkeitsarbeit in der Asse Grenzen gesetzt sind". In deren Rahmen könne man aber mit den Asse-Betreibern ein "tragfähiges Konzept" finden. Entweder wurde also Stahl von Rüttgers beauftragt, das Absaufen der Asse geheim zu halten. Oder seine Mitarbeiter haben ohne Rüttgers´ Wissen mit der Industrie über die Asse verhandelt. Rüttgers´ damaliger Staatssekretär Stahl ist heute CDU-Fraktionschef in NRW. Gegenüber der FR erinnert er sich anders: Weder Rüttgers noch er selbst hätten je versucht, Probleme in der Asse zu vertuschen. Rüttgers habe von dem zitierten Vorgang nichts erfahren, auch Stahl selbst kenne den Vermerk bezüglich der öffentlichen Diskussion nicht.

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, sagte: "Die Akten belasten Rüttgers schwer. Offensichtlich hat er die jahrelange Vertuschung des größten Umweltproblems Europas zu verantworten", sagte sie der FR.
Quelle: http://www.fr-online.de

Sonntag, 24. Januar 2010

Experten raten zur Leerung des Endlagers Asse /15.01.10

links: PDF-Datei download bei http://zelos.zeit.de/bilder/2009/31/wissen/30-asse.pdf

Etwa 126.000 Fässer Atommüll lagern im einsturzgefährdeten Endlager Asse. Das Bundesamt für Strahlenschutz hält ein rasches Umlagern des Mülls für unumgänglich.

Der Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Endlager Asse bei Wolfenbüttel soll herausgeholt werden: Wie die Autoren eines 225-seitigen Gutachtens des Bundesamtes für Strahlenschutz empfehlen, sei es das Beste, die 126.000 Fässer mit leicht- und mittelradioaktivem Atommüll in den 20 Kilometer entfernten Schacht Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk in Salzgitter, zu verfrachten. Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete, die Behörde rate der Politik zu größter Eile, da die Grube instabil sei und Wasser eindringe. Die Arbeiten sollten so schnell wie möglich beginnen.
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Der frühere Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hält die vollständige Rückholung des Atommülls für die sicherste Option. Er hoffe, dass sein Nachfolger Norbert Röttgen und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (beide CDU) dem zustimmen, sagte Gabriel am Rande einer SPD-Fraktionsklausur in Berlin. "Wenn es dazu käme, wäre das eine außerordentlich gute Entscheidung", fügte der SPD-Chef hinzu. Er verwies darauf, dass das Gutachten des Bundesamts für Strahlenschutz noch in seiner Amtszeit als Bundesumweltminister vorbereitet worden war.

Vor der endgültigen Entscheidung will Norbert Röttgen (CDU) laut einem Zeitungsbericht aber den Zustand des radioaktiven Abfalls genauer untersuchen lassen. Erst dann lasse sich das unterirdische Lager mit möglichst geringem Risiko stilllegen, sagte Röttgen der Braunschweiger Zeitung. Das Gutachten wollte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am Freitag präsentieren.

Röttgen betonte: "Nach jetzigem Erkenntnisstand und im Hinblick auf die Langzeitsicherheit erscheint die vollständige Rückholung als die bevorzugte Variante für die Stilllegung der Asse." Allerdings nur, wenn der Zustand der Grube und des Atommülls entsprechend stabil seien. Um das festzustellen, müsse das Lager geöffnet und genau untersucht werden.

Die Kosten dafür blieben bisher unklar. Das Essener Ingenieur- und Consultingunternehmen DMT und der TÜV Nord errechneten mehr als zweieinhalb Milliarden Euro. Experten hatten insgesamt drei verschiedene Wege zur Stilllegung des ehemaligen Salzbergwerks Asse geprüft – das Herausholen der Atommüll-Fässer, eine Umlagerung innerhalb der Grube oder das Füllen der Kammern.

Unterstützung für sein Vorhaben erhält Minister Röttgen von der Umweltschutzorganisation BUND. Auch der Atom-Experte der Organisation, Thorben Becker, rät zu weiteren Untersuchungen. In der Frankfurter Rundschau sagte Becker, es sei zu früh für eine Entscheidung. Die Fässer rauszuholen sei eine Lösung mit "riesigen Fragezeichen", weil man viel zu wenig über den Zustand des Atommülls wisse.

Auch Greenpeace hat sich geäußert. Der Atommüll müsse vollständig zurückgeholt werden. Er solle in ein neu zu bauendes oberirdisches Zwischenlager gebracht werden, sagte Heinz Smital, ein Atomphysiker der Umweltorganisation. "Das marode Endlager Asse ist eine Bombe, an der die Lunte bereits brennt." Niemand wisse genau, wie viel und welcher Atommüll in dem früheren Bergwerk lagere. "Klar ist aber, dass die Asse mit Wasser vollläuft und die lecken Atommüllfässer früher oder später das Trinkwasser in der Region radioaktiv verseuchen werden. Daher gibt es zur Bergung des gesamten Mülls keine Alternativ

An den Kosten der Bergung der Fässer und ihrer künftigen Lagerung müssten sich die Stromkonzerne als Hauptverursacher beteiligen. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit den Stromkonzernen über eine Laufzeitverlängerung für alte Atomkraftwerke und damit über ein weiteres Anwachsen des Atommüllberges spricht, während nicht einmal die Altschulden beglichen sind", sagte Smital. 63 Prozent der Radioaktivität im Endlager Asse stammen laut Greenpeace aus dem EnBW-Atomkraftwerk Obrigheim, 6 Prozent aus Abfällen aus RWE-Reaktoren und weitere 2 Prozent aus Atommeilern von E.on und Vattenfall.

Eine Rückholung der Fässer ist aber problematisch. Schon kurz nach Bekanntwerden der Pannenserie im Stollen von Asse 2008, erklärte Klaus-Jürgen Röhlig im Interview mit ZEIT ONLINE, wie schwierig dies sei. Zum einen sei es ein große logistische Herausforderung die Fässer überhaupt zu bergen, sagte der Professor für Endlagersysteme an der Technischen Universität Clausthal. Hinzu komme, dass "die Fässer nicht mehr ganz robust sind, da wird die Handhabung zum Problem." Ganz zu zu schweigen von der Strahlung, der man im ehemaligen Bergwerk ausgesetzt sei.

Inwieweit Atommüll überhaupt endgelagert werden kann ist auch unter Forschern umstritten. Vieles spricht für die Lagerung in einem Salzstock, dieser müsse jedoch komplett abgeschirmt sein, sagt Jan Richard Weber von der der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Die Probleme beim Atommülllager Asse bedeuten aus Sicht des Greenpeace-Experten Smital jedoch auch das Aus für das geplante Endlager im Salzstock Gorleben. "Wer nach den Asse-Erfahrungen in einem Salzstock sogar hoch radioaktive Abfälle für eine Million Jahre einlagern will, gehört eigentlich hinter Schloss und Riegel gesperrt", sagte Smital. "Die Suche muss nun ganz von vorn beginnen."
Quelle: zeit.de


Wolfram König im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur 19.01.2010
Stream 6:46min (klick)

Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), erwartet Kosten von mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Schließung des Atommülllagers Asse. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es noch keine "belastbaren Schätzungen" gebe.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Prototyp des unbeirrbaren eitlen Wissenschaftlers /6.11.09

SPD: ASSE-Zeuge Kühn ist Prototyp des unbeirrbaren eitlen Wissenschaftlers

Der jahrzehntelang Verantwortliche für die marode Schachtanlage bei Wolfenbüttel überraschte gleich zu Beginn seiner mehrstündigen Anhörung mit der Aussage, dass das mögliche Absaufen der Asse durch Zutritt von Laugen schon vor dem Beginn der Einlagerung von Atommüll bekannt war. Der Zutritt von Laugen sei in der Forschung sogar von Anfang an als größter anzunehmender Unfall in einem Salzstock-Endlager definiert gewesen, sagte Prof. Dr. Klaus Kühn. Konsequenzen zogen er und seine Kollegen von der ehemaligen Asse-Betreiberin Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) nicht. Für einen überschaubaren Zeitraum von 100 Jahren habe man die Standfestigkeit der Asse für durchaus gegeben gehalten.Der Physiker Prof. Dr. Kühn, der sein gesamtes Berufsleben mit der Asse zugebracht hat, ist nach wie vor ein uneinsichtiger Verteidiger der Atomwirtschaft, so das Urteil von SPD-Mann Detlef Tanke..

„Die Aussagen von Herrn Kühn überraschen vor diesem Hintergrund nicht“, so Tanke. „Er lässt keinerlei Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns in der Vergangenheit erkennen, er würde somit sonst auch seine Lebensleistung in Frage stellen.“ Kühn befand die Asse trotz vorliegender fachlicher Erkenntnisse immer für sicher. So hat er noch 1985 vor dem Kreistag Wolfenbüttel einen Laugenzufluss ausgeschlossen, was 3 Jahre später widerlegt war. Jedwede Kritik insbesondere aus dem direkten Umfeld des Bergwerks wurde abgewehrt. So auch die viel beachtete Kritik des Geologen Helge Jürgens aus dem Jahre 1979. Die Fachbehörde, das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, nahm diese hingegen sehr wohl auf.

Die Fachbehörden und Kritiker von Asse II konnten sich gegen die Phalanx der Atomkraftlobby nicht durchsetzen. Der Grund hierfür ist darin zu sehen, dass durch das angewandte Bergrecht ein Eingreifen nur bei Gefahr im Verzuge möglich gewesen wäre. „Die Betreiber der Asse konnten daher das Problem aussitzen und ihr Vertuschungsnetzwerk weiter betreiben“, so Detlef Tanke. „Was wir hier heute zu hören kriegen, ist Stoff für den Atomkrimi der letzten 40 Jahre“.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel sieht mit dem heutigen (Donnerstag) Auftritt des ehemaligen wissenschaftlichen Leiters der Asse Professor Kühn vor dem Landtagsuntersuchungsausschuss ein "beängstigendes Verständnis von Wissenschaft" demonstriert. "Dem Zeugen waren die vielfältigen Bedenken und Warnungen hinsichtlich der Einlagerung in der Asse frühzeitig bekannt", sagte der Grünen-Politiker. Gleichwohl seien keine Konsequenzen daraus gezogen worden. "Der Hinweis auf den seinerzeit anderen Stand der Technik entbindet Herrn Kühn nicht von der Verantwortung". Es müsse vielmehr davon ausgegangen werden, dass der ehemals führende Wissenschaftler für Endlagerfragen hinter den Kulissen alle kritischen Fachäußerungen zur Asse vom Tisch gefegt habe. "Es gab immer zwei Wahrheiten: eine für die Öffentlichkeit und eine andere für die interne Arbeit", sagte Wenzel.

Angesichts dieses leichtfertigen Umgangs mit den Tatsachen, sei es eher beunruhigend, wenn Herr Kühn heute noch Erklärungen zur Sicherheit des Salzstocks in Gorleben abgibt. Interessant sei in diesem Zusammenhang, dass der Zeuge sich nicht mehr daran erinnern kann, dass er noch 2001 ausgeführt hat, dass es das Ziel der Arbeit in der Asse gewesen sei, für ein geplantes Endlager im Salzstock Gorleben die entsprechenden Techniken und die wissenschaftlich-technischen Daten zu ermitteln.

Wenzel geht davon aus, dass der Zeuge Kühn zu mindestens einer weiteren Befragung vor dem Ausschuss eingeladen werden muss.

DIE LINKE: Historiker bringt Asse-Dilemma auf den Punkt: Kleiner Kreis von Verantwortlichen narrte die Republik – die Asse als ungeeignetes „Discount-Endlager“

Als außerordentlich aufschlussreich hat der umweltpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag, Kurt Herzog, die heutige Zeugenvernehmung im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Atommülllager Asse bezeichnet. Der Historiker Dr. Detlev Möller habe das ganze Dilemma auf den Punkt gebracht: Die Asse sei zu keiner Zeit als Atommülllager geeignet gewesen, ein kleiner Kreis aus Politik und Atomwirtschaft habe die Republik genarrt. „Dieser Kreis wollte ein Discount-Endlager und hat es bekommen“, sagte Herzog.

Grundlage für die vielen Fehlentscheidungen sei laut Möller die Bereitschaft von Politik und Atomwirtschaft gewesen, die Atomenergie voranzubringen und den Atommüll billig zu entsorgen. Abgeordnete seien falsch informiert und getäuscht, Kritiker ignoriert und brisante Inhalte „dethematisiert“ worden. Auch Bundesministerien seien beteiligt gewesen und hätten „das ein oder andere gedreht“. „Für die Asse bedeutete dies: Probleme mit der Standsicherheit und der Wasseranfälligkeit des Salzes wurden aus der Diskussion genommen“, sagte Herzog. Der Bevölkerung habe man die Risiken verschwiegen.

Besonders pikant sei Möllers Hinweis auf Nachfrage von Herzog gewesen, dass er über die Beteiligung der ministeriellen Ebene in Niedersachsen keine Aussage machen könne, da man ihm keinen Einblick in die entsprechenden Akten gewährt habe. „Das muss schnellstens nachgeholt werden“, forderte Herzog. „Denn nur dort können all diese haarsträubenden Entscheidungen getroffen und gedeckt worden sein.“

Der Sachverständige Dr. Detlev Möller bestätigte in vollem Umfang die bisherigen Erkenntnisse der SPD-Fraktion im parlamentarischen Untersuchungsausschuss. So habe es von Anfang an umfangreiche Zweifel an der Eignung des Salzstocks Asse II als Endlager für Atommüll gegeben. Die Akteneinsicht und die Aussagen von Möller bestätigen, dass bereits am 15. Oktober 1964 – noch vor dem Ankauf der Asse im März 1965 – die zuständige Fachbehörde festgestellt hat, dass der Schacht Asse II einsturzgefährdet ist. Die Fachleute wussten nur nicht, wann genau dies geschehen wird. Weiterhin war bereits am 10.11.67 aktenkundig, „dass kein Raum der Asse auf Dauer trockenbleiben würde“.

Auch erfolgte die Verfüllung der einsturzgefährdeten Südflanke erst ab 1995, obwohl die Gefahr spätestens seit 1964 bekannt war. Klar wurde auch, dass der damalige über lange Jahre verantwortliche Ministerialbeamte Straimer entgegen seiner Fach- und Sachkenntnis für die Inbetriebnahme von Asse II votierte, weil nur so die Nutzung der Atomenergie wirtschaftlich wurde.

Der steigende Druck aus der Atomindustrie führte dann 1971 zur Schaffung des Endlagers. Die ungeklärte Atommüllfrage war bis dahin ein Hindernis für den kommerziellen Durchbruch der Atomenergie. „Die Asse war also die Billiglösung für die Atomindustrie schlechthin, allerdings offensichtlich zulasten der Allgemeinheit“, stellt Tanke fest.

Tanke fasst zusammen: „Ein kleiner Kreis von interessenorientierten Insidern hat das Geschehen der Atompolitik in Deutschland über Jahrzehnte bestimmt. Wissenschaftliche Erkenntnisse wurden dabei solange gedreht, bis es passte. Es wird überdeutlich, dass alle Bedenken und Kritik systematisch beiseitegeschoben worden sind – es wurde vertuscht und verschleiert: Die Menschen wurden bewusst in die Irre geführt.“

Selbst der Wirtschaftsausschuss des Niedersächsischen Landtags wurde 1967 wider besseren fachlichen Wissens durch den damaligen Vizepräsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung Richter-Bernburg belogen. „Es zeigt sich immer deutlicher: Die jahrzehntelange Festlegung auf Salzgestein war ein großer Fehler“, so Detlef Tanke. „Der Irrtum Asse darf seine Fortsetzung nicht in Gorleben finden.“

Die SPD-Fraktion fordert eine ergebnisoffene Suche nach einer Endlagerlösung in allen Bundesländern und allen geologischen Formationen, wie Granit oder Tongestein.

GRÜNE: Sanders Genörgel gegen BfS-Chef torpediert konstruktiven Prozess der Asse-Sanierung

Seit 1999 ist Wolfram König Präsident des BfS. Die Behörde mit Sitz in Salzgitter betreibt die maroden Atommülllager Asse und Morsleben, baut das künftige Endlager Schacht Konrad und leitet die Erkundung des Gorlebener Salzstocks. Das dem Bundesumweltministerium unterstehende Amt ist zudem Genehmigungsbehörde für Castortransporte. Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), ein erklärter Kernkraft-Freund, preschte nun vor und forderte einen neuen Chef beim BfS. König sei nicht unabhängig und mache lieber Politik, als seinen Aufgaben als Leiter einer Fachbehörde nachzukommen.

Auch in der CDU ist König umstritten. Unter seiner Leitung wurde »die Kompetenz des Bundesamtes heruntergewirtschaftet«, erklärte die neue Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Katherina Reiche. Sie ist, so drückt es die LINKE in Niedersachsen aus, Gorleben-Fanatikerin und will allen Sicherheitsbedenken zum Trotz im dortigen Salzstock so schnell wie möglich ein Endlager errichten lassen. Über Königs Zukunft entscheidet indes der neue Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Ihm werden Sympathien für eine behutsame schwarz-grüne Annäherung nachgesagt.

Die Landtagsgrünen haben dem niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander vorgeworfen, mit seiner Kritik am Bundesamt für Strahlenschutz und dessen Chef den offenen und transparenten Prozess zur Sanierung der Asse zu sabotieren. "Der Minister weiß genau, dass das Verfahren zur Entscheidung über die Schließungsvarianten nunmehr in eine wichtige Phase kommt. Sein Genörgel ist Gift für die konstruktive Arbeit vor Ort", sagte der Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel am Dienstag in Hannover.

Es sei geradezu "tragikomisch", dass Sander dem BfS-Chef König presseöffentlich mangelnde "Unabhängigkeit" vorwerfe, während in der gleichen Veröffentlichung die CDU ihren Parteigänger Jochen-Konrad Fromme als Chefbeamten der Behörde vorschlage. "Für wie blöd hält die Landesregierung eigentlich die Bürgerinnen und Bürger? FDP und CDU machen die Personalpolitik zum Wunschkonzert. An Königs Arbeit gibt es nichts auszusetzen", sagte Wenzel.

Es sei zu befürchten, dass der Umweltminister die Personalie vorschiebt, um das untaugliche alte Asse-Schließungskonzept mit lediglich einigen Modifizierungen durchsetzen zu lassen. Wenzel: "Damit ist die Langzeitsicherheit allerdings nicht zu gewährleisten. Sander treibt ein gefährliches Spiel!"

Der Grünen-Politiker erinnerte daran, dass das Ziel des Verfahrens zur Entscheidung über die drei Schließungsvarianten Rückholung, Umlagerung und Verfüllung ein möglichst breit getragener Konsens vor Ort sei. "Im Mittelpunkt stehen Sicherheit und Schutz der Bewohner in der Asse-Region vor einer schleichenden Verseuchung des Grund- und Trinkwassers." Sander brüskiere die Bevölkerung wenn er diesen Prozess jetzt torpediert.
Quelle: europaticker

Samstag, 10. Oktober 2009

Decke im Atommüll-Lager Asse eingestürzt /9.10.09

Salzgitter — Im maroden Atom-Endlager Asse bei Wolfenbüttel ist in rund 500 Meter Tiefe eine Decke zwischen zwei Hohlräumen eingestürzt. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als Betreiber in Salzgitter mitteilte, besteht aber "keine akute Gefahr". Es handle sich nicht um Kammern, in denen Atomabfall gelagert gewesen sei. Vielmehr seien beide Kammern bereits mit Salzgrus verfüllt gewesen, so dass die gebrochene Decke nur etwa 60 Zentimeter tief eingestürzt sei. Der Deckenbruch werde weiter beobachtet und geprüft, ob Stabilisierungsmaßnahmen sinnvoll seien.

Das BfS will bis zum Jahresende einen Vorschlag für die endgültige Schließung des Lagers prüfen. Geprüft wird dabei auch, ob der in der Asse lagernde Atommüll ganz oder teilweise aus dem Salzstock zurückgeholt werden soll. In dem ehemaligen Salzbergwerk waren zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert worden.
Quelle: AFP

Freitag, 4. September 2009

Antiatomtreck aus Gorleben erreichte die Asse /3.09.09

Nacht am Schacht
Antiatomtreck aus Gorleben erreichte die Asse. Fördertum des maroden Salzstocks bei Wolfenbüttel vorübergehend besetzt. Nächste Station: Morsleben
Von Reimar Paul

Der neuste geht so: Was ist der Unterschied zwischen Gorleben und Asse? In Gorleben vermehrt sich der Atommüll durch Castortransporte, in der Asse wächst er auch so. Schließlich hat sich die Menge des dort eingelagerten Plutoniums in den vergangenen Wochen nur durch einen angeblichen »Übertragungsfehler« des früheren Betreibers auf 28 Kilogramm verdreifacht. Der Witz, der leider keiner ist, wird beim Antiatomtreck der Lüchow-Dannenberger Bauern nach Berlin bei allen möglichen Gelegenheiten und in verschiedenen Variationen erzählt. Beim Stopp des Konvois in den Dörfern rund um das marode Atommüllager Asse höhnen örtliche Aktivisten bei Kundgebungen und Kaffeetafeln immer wieder über die seltsame Atommüllvermehrung im »Zauberberg Asse«. »Unser Mißtrauen gegen die da oben wächst«, sagen sie.

Die Traktoristen aus dem Wendland glauben dagegen schon längst nicht mehr, was Politiker und Industriebosse ihnen erzählen. Das machen auch die Plakate und Transparente deutlich, mit denen sie ihre Maschinen und Anhänger geschmückt haben. »Wer, wenn nicht wir, soll der Atomlobby Einhalt gebieten?« steht da. Oder: »AKW off, sonst gibt es Zoff«.

Am Dienstag nachmittag machte der auf rund 100 Traktoren, Trucks und Begleitfahrzeuge angewachsene Konvoi in der Ortschaft Sickte halt. Die Initiative »Bürgeraktion Sichere Asse« (BASA) hatte Gäste aus dem Wendland zu Kaffee, Sprudel und selbstgebackenem Kuchen eingeladen. Auf dem Platz vor dem Einkaufszentrum herrscht Volksfeststimmung. Samtgemeindebürgermeister Arne Pautsch (CDU) begrüßt den Treck vom »Mobilisierenden Musik-Kampf-Wagen« aus. Der Anhänger dient den Gorleben-Widerständlern seit Jahren als fahrbare Bühne. Kerstin Rudek, die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, überreicht Pautsch eine Wendlandfahne – orangefarbene Sonne auf grünem Grund. Im Gegenzug erhält Rudek ein gelbes »A« aus Holz, das Symbol der Asse-Gegner.

Während sich in Sickte der Protestzug langsam zur Weiterfahrt rüstet, steht rund 20 Kilometer weiter Udo Dettmann auf einem staubigen Acker in Sichtweite des Atommülllagers Asse. Er telefoniert mit zwei Handys gleichzeitig, tippt dabei auf Landkarten, weist Versorgungsfahrzeuge ein. Dettmann gehört zu den Aktiven der örtlichen Bürgerinitiativen, und das abgeerntete Feld ist das Nachtlager für den Treck. Die »Volksküche« ist auch schon da. Vier junge Männer mit Rastalocken bzw. Pferdeschwänzen putzen Paprika und schälen Kartoffeln.

Auf den Waldwegen rund um das Bergwerk Asse patrouiliert berittene Polizei, auf dem Betriebsgelände ist eine Hundertschaft zusammengezogen worden. So etwas wie am Vorabend werde nicht noch einmal passieren, hatten Beamte angekündigt. Da hatten Treck-Teilnehmer an der Einzäunung des geplanten Endlagers für schwach und mittelradioaktiven Abfall, Schacht Konrad in Salzgitter, gerüttelt und sich mit Polizisten gerangelt.

Nach einer ruhigen »Nacht am Schacht« mit Chormusik, heißer Suppe und Feuern in gelben Blechtonnen starten die Atomgegner am Mittwoch morgen doch noch eine Überraschungsaktion. Traktoren blockieren die Zufahrtsstraße zum Asse-Schacht, etwa 100 Leute öffnen das Tor und dringen auf das Gelände vor, rund ein Dutzend besetzt vorübergehend den Förderturm. Vor dem Zaun protestieren weitere Menschen mit Transparenten: »Stoppt das dreckige Atomgeschäft«, heißt es. Und »Merkel aufpASSEn.« Nach einer halben Stunde ist die Aktion beendet, Polizei und Werkschutz haben sich zurückgehalten. Erneut lassen die Bauern ihre Trecker an, am Mittwoch mittag erreicht der Konvoi Schöppenstedt.
Quelle: jungewelt.de

Bild oben Schacht Konrad: Karin Behr / PubliXviewinG
Eine Foto-Diashow des Trecks gibt es auf PubliXviewing. Klick

Samstag, 25. Juli 2009

Video Atomlüge: Die wahren Kosten der Endlager 23.07.09

Dieses Video ist bei YouTube online gestellt worden.

Ein TV-Beitrag des WDR Monitor vom 23. Juli 09, 10:25min.
Bericht: Georg Restle, Jan Schmitt, Frank Konopatzki


Jahrelang haben die Betreiber deutscher Atomkraftwerke ihren Atommüll in die geplanten Endlager Asse und Morsleben eingelagert. Jetzt müssen diese Lager aufwändig saniert und stillgelegt werden, weil die Salzstöcke ansonsten einzustürzen drohen. Neue Unterlagen belegen nun, wie trickreich es die Energieversorger verstanden haben, um die hohen Kosten für die Endlagerung herumzukommen. Der Steuerzahler wird über 6 Milliarden Euro zu zahlen haben.

MONITOR liegt ein Schreiben der damaligen Nuklearabteilung der Siemens AG an das Bundesforschungsministerium aus dem Jahr 1966 vor. Darin ist von "ca. 25 Fässern mit hochradioaktivem Abfall (Kernbrennstoff)" die Rede, die zum Teil für die Asse vorgesehen waren.

Was ist mit den 25 Fässern geschehen? Bei Siemens und beim ausgegliederten Nuklear-Unternehmen Areva kann man uns nicht sagen, was aus den Fässern geworden ist. Man teilt uns mit, der Vorgang sei dort zurzeit nicht bekannt.

Sanierungsfall Asse. Wer muss dafür eigentlich bezahlen? Bis zu 4 Milliarden Euro soll die Stilllegung kosten. Doch damit wollen die deutschen Energieversorgungsunternehmen, die EVU, nichts zu tun haben.
Zum Beitrag auf der Seite des WDR:
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2009/0723/atom.php5

Dienstag, 14. April 2009

Anti Atom Treck nach Berlin am 05.09.09

gelesen bei der "BÄUERLICHE NOTGEMEINSCHAFT" Lüchow-Dannenberg
Mal richtig abschalten!

30 Jahre ist es her: die Trecker rollten, die Bauern aus dem Wendland machten sich auf den Weg in die nieders
ächsische Landeshauptstadt. Zwei Jahre zuvor hatte Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) Gorleben als Standort für ein Nukleares Entsorgungszentrum (NEZ) benannt.
Der Massenprotest gegen Atomkraft blieb nicht ohne Wirkung: Ernst Albrecht ruderte zurück und sperrte sich gegen die WAA-Pläne, die Plutoniumfabrik sei politisch aber nicht durchsetzbar. An dem atomaren Zwischen- und Endlager in Gorleben aber hielt er fest.

In diesem Jahr rufen Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg gemeinsam mit Umweltverbänden und Anti-Atom-Initiativen zum Treck nach Berlin zur abschließenden Großdemonstration am 5.9.09 auf. Zum Trägerkreis der Großdemonstration gehören die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, das bundesweite Anti-Atom-Netzwerk .ausgestrahlt, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Internetinitiative campact und die Umweltorganisation Robin Wood.


Anti-Atom-Demo Berlin 2009

Über 30 Jahre befeuerte der Widerstand im Wendland den bundesweiten Anti-Atom-Protest. Bauplatzbesetzungen, Blockadeaktionen auf der Schiene und der Straße gegen Castor-Transport – der Widerstand ist frech, aufmüpfig und bunt. Bäuerliche Notgemeinschaft und die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg rufen gemeinsam mit Umweltverbänden und Anti-Atom-Initiativen zum Treck nach Berlin zur abschließenden Großdemonstration am 5.9.09 auf. Zum Trägerkreis der Großdemonstration gehören die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad, das bundesweite Anti-Atom-Netzwerk .ausgestrahlt, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die Internetinitiative campact und die Umweltorganisation Robin Wood. Die Veranstalter rechnen mit einer großen Resonanz, betonen aber ihre parteipolitische Unabhängigkeit. "Kurz vor den Bundestagswahlen werden wir ein Zeichen setzen gegen die Atomkraft, für den Ausbau der Regenerativen und den Klimaschutz", erklärt die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek. "Den Konzernen geht es allein um Extraprofite, das Unfallrisiko und das Atommülldesaster schert sie einen Deubel".

30 Jahre nach der
Standortbenennung rächt sich, dass es kein seriöses Auswahlverfahren für die Errichtung des Endlagers gab. Ohne erhebliche Zweifel an der Eignung des Salzstocks Gorleben hätte es niemals ein Moratorium gegeben. Provokant ist deshalb der Versuch des Bundesumweltministers Sigmar Gabriel (SPD), bei der Suche nach einem Endlager weiter Gorleben im Pool zu behalten und trotz des Desasters in Morsleben und der Asse II bei der Endlagersuche auf eine doppelte geologische Barriere zu verzichten. Monika Tietke für die Bäuerliche Notgemeinschaft: "Fliegen ohne Landebahn – das muss ein Ende haben, wir treten deshalb für ein Ende der Atommüllproduktion ein. Wir wollen den Schiet nicht haben ".

weitere Infos unter:
http://www.baeuerliche-notgemeinschaft.de/index.html
http://www.anti-atom-treck.de/index.php : Aufruf, Demo, Treck, Mitmachen, Presse
http://www.ausgestrahlt.de/atom/berlindemo2009 : Aufruf unterzeichnen, Aufruf als PDF(620 kb), Liste der Unterstützer, etc.



Sonntag, 15. März 2009

Endlagerkriterien entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Stand /12.03.09

Strahlenmüll und Lichterketten
Dem Atommülllager Asse droht der Einsturz, die Bevölkerung in der Region ist alarmiert. Derweil werden im Bundesumweltministerium Sicherheitsanforderungen für ein geplantes Endlager formuliert, die nicht allein wissenschaftlichen Kriterien folgen.
von Jochen Stay

Der Wahlkreis von Umweltbundesminister Sigmar Gabriel ist nicht irgendeiner. Wenige Kilometer voneinander entfernt liegen hier im südöstlichen Niedersachsen die beiden Atommülllager Asse und Schacht Konrad. Im alten Eisenerz-Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter sollen ab 2013 schwach- und mittelaktive Abfälle eingelagert werden. Im Salzstock Asse II bei Wolfenbüttel liegen bereits 126 000 Atommüllfässer.

Weil in die Asse Wasser eindringt und die Kammern mit den strahlenden Fässern vom Einsturz bedroht sind, ist das Atommülllager ständig in den Schlagzeilen. Die Region rund um die umstrittenen Standorte ist daher mittlerweile alarmiert. Ende Februar beteiligten sich dort 15 000 Menschen an einer 52 Kilometer langen Lichterkette von Braunschweig über die Asse bis Schacht Konrad. Die Lichterkette war immerhin die größte Anti-Atom-Demonstration, die es dort bisher gegeben hat.

Oberster Atom-Müllmann der Republik zu sein und gleichzeitig die Interessen der Menschen im eigenen Wahlkreis zu vertreten, ist für Gabriel daher gar nicht einfach. Im Bundestagswahlkampf 2005 wetterte er noch über die Unsicherheit des Standorts Konrad. Die Asse dagegen hielt er damals für sicher. Jetzt, als Bundesumweltminister, sieht er die Dinge genau umgekehrt. Die katastrophalen Zustände in der Asse lassen sich schließlich nicht mehr verbergen. Dafür soll jetzt plötzlich Schacht Konrad so sicher sein, dass Gabriel dort sogar die Fässer aus der Asse einlagern möchte, sollte sich denn eine technische Möglichkeit finden, diese aus dem bröckelnden Salzbergwerk wieder herauszuholen.

Gabriels Kurs ist auch sonst nicht gerade gradlinig. Erst am 30. Januar stimmte er im Bundestag für eine Änderung des Atomgesetzes, mit der die Betreiber der Reaktoren, aus denen der Großteil der Abfälle in Asse stammt, von den Kosten der Sanierung vollständig befreit werden. Bei einer Ver­anstaltung in seinem Wahlkreis erklärte er dann drei Wochen später: »Mit den Abfällen ist Jahrzehnte lang fahrlässig und vielleicht sogar vorsätz­lich falsch umgegangen worden. Dafür können wir die Folgekosten nicht einfach den Steuerzahlern aufbürden.« Wenn die Atomwirtschaft sich an den dann zu erwartenden mindestens zwei Milliarden Euro Kosten nicht freiwillig beteilige, so Gabriel, werde eine neue SPD-geführte Bundesregierung nach der Wahl eine Brennstoffsteuer auf Uran erheben.

Bezeichnend ist auch, welche Konsequenzen Gabriel aus dem Asse-Desaster für das geplante Endlager im Salzstock Gorleben zieht. Während der Minister in der Öffentlichkeit immer wieder fordert, Alternativen zu Gorleben zu suchen, um im Rahmen eines Standortvergleichs einen sicheres Endlager für hochradioaktive Abfälle zu finden, wird in seinem Ministerium an so genannten Sicherheitsanforderungen für ein solches Atommüll-Lager gearbeitet, die für den Standort Gorleben geradezu maßgeschneidert werden.

Der Salzstock im Wendland hat direkten Kontakt zum Grundwasser. Ihm fehlt eine wasserundurch­lässige Gesteinsschicht, die das Salz vor Ablaugungen schützt. Bisher war die Existenz eines solchen »Deckgebirges« eines der Hauptkriterien für den Sicherheitsnachweis für ein Endlager im Salz. In den neuen Sicherheitsanforderungen spielt diese Frage plötzlich keine Rolle mehr. Es scheint, als würden diese extra an die Situation in Gorleben angepasst. Schließlich kann dann behauptet werden, man habe sich für den Standort Gorleben nach streng objektiven wissenschaftlichen Kriterien entschieden. Aber nicht nur das fehlende Deckgebirge macht aus dem Standort Gorleben ein Sicherheitsrisiko. Wie in Asse gibt es auch im Salzstock Gorleben bereits heute Laugenzuflüsse.

Im Jahr 2010 endet das im Atomkonsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Energiekonzernen vereinbarte zehnjährige Moratorium für den Ausbau des Salzstocks in Gorleben. Wenn dann entschieden wird, in welche Richtung sich die Atommüll-Politik entwickeln soll, wird Sigmar Gabriel kaum mehr Umweltminister sein – auch weil er sich bereits für andere Ämter warm läuft. Daher wird sein Nachfolger entscheiden müssen, wie es in Gorleben weitergeht, ob der Atommüll aus der Asse herausgeholt werden kann und ob Schacht Konrad wirklich in Betrieb geht.

Sicher ist aber schon heute, dass diese Entscheidungen sich nicht nach wissenschaftlichen Kriterien richten werden. Über die Standortwahl werden vielmehr politische Machtverhältnisse entscheiden – und die müssen nicht unbedingt den Wahlergebnissen entsprechen. Daher hofft die Anti-Atombewegung, mit Aktionen wie der Lichterkette von der Asse nach Schacht Konrad den Interessen der Energiekonzerne politischen Druck entgegenzusetzen, unabhängig davon, wer nach den kommenden Wahlen regiert.
Quelle: jungle-world.com

Samstag, 21. Februar 2009

Lichterkette am 26.02.09 Braunschweig - Asse - Konrad /19.02.09

Tausende Bürger wollen mit einer 52 Kilometer langen Lichterkette zwischen Braunschweig, dem Atommülllager Asse und dem geplanten Endlager Schacht Konrad für den Ausstieg aus der Kernkraft demonstrieren.

Die Anti-Atom-Initiativen wollen mit dem Protest am kommenden Donnerstag (26.) Druck auf die Politik im Wahljahr 2009 machen. Das kündigten die Organisatoren Udo Dettmann und Peter Dickel am Donnerstag in Hannover an. Sie hoffen auf annähernd zehntausend Teilnehmer an der Aktion unter dem Motto „Wir bringen Licht ins Dunkel“. Rund 8400 Fackeln wurden schon verkauft. Außerdem ist am 5. September eine bundesweite Anti-Atom-Demonstration in Berlin geplant.

Beim Protest gegen den Atommülltransport ins Zwischenlager Gorleben im vergangenen November hatte die Anti-Atom-Bewegung eine neue Blüte erlebt. Der Widerstand mit mehr als 15 000 Demonstranten aus ganz Deutschland war deutlich größer als in den Vorjahren. Vor allem auch die Pannen im einsturzgefährdeten Atommülllager Asse heizen aus Sicht der Initiativen den Protest an.

Die Organisatoren schilderten, dass sich Vereine, Kirchen und Parteien an der Lichterkette beteiligen wollten. Die Menschen sollen mit Fackeln, Feuerkörben und Lampions um Punkt 19.00 Uhr ein Zeichen gegen Atomkraft setzen. Die Sprecherin der Bürgerinitiative Braunschweig, Brigitte Süßner-Greve, sagte, sie habe lange Zeit das Gefühl gehabt, dass sich in Braunschweig niemand für das Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel interessiere.

Die Asse ist nach Ansicht des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) - seit Jahresanfang neuer Betreiber des Atommülllagers - eines der größten Umweltprobleme in Deutschland. Die Strahlenbelastung aller Beschäftigten soll nun systematisch erfasst und ausgewertet werden. Die Bürgerinitiativen halten dies für längst überfällig.
Quelle:
abendblatt.de


weitere Informationen unter http://www.lichterkette09.de/
Mit einer 52km langen Menschenkette von Braunschweig über die ASSE II bis zum Schacht KONRAD ein unübersehbares Zeichen setzen.
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Freitag, 30. Januar 2009

Asse: Arbeiten am Atommüll /30.01.09

Ortstermin in Asse II
Arbeit am Atommüll
Von Joachim Wille

Es ist trocken, staubtrocken. Und feucht, sogar nass. Passt nicht zusammen? Genau, und das ist das Problem. Es ist gleichzeitig trocken und nass - tief unter der Erde in Deutschlands ältestem Atommüll-Lager: der "Asse". Das darf nicht sein.

Andreas Liedtke hat hier, auf Bergwerks-Sohle minus 658 Meter, den Job, die Dinge auseinander zu halten. Wasser-Manager könnte man ihn nennen, wenn es so etwas gäbe. Oder Laugen-Manager, das wäre genauer. "Wir fangen die Brühe auf und lassen sie abholen", sagt der Asse-Arbeiter, ein End-Vierziger, der an einer der kritischsten Stellen in dem umstrittenen Atommüll-Lager schafft. Liedtke arbeitet in einer alten, leergebaggerten Kammer des Asse-Salzstocks. Dort sickert die Flüssigkeit aus der Decke heraus. Auf dem Boden liegt eine Folie. Auf der sammelt sich die Lauge, und die fließt über einen Schlauch in einen Plastik-Container. Immer wenn das 1000-Liter-Fass voll ist, wird es durch die Asse-Gänge zum Schacht und dann nach oben gebracht. 7 Liter pro Minute, 416 Liter pro Stunde, zehn Kubikmeter pro Tag. Tag für Tag. Unablässig, unaufhörlich, unstoppbar. Liedtke arbeitet seit 25 Jahren, sechs Monaten und sieben Tagen hier in der Asse, sagt er.

Ein Lager für Nuklearmüll muss trocken sein, das ist die Lehrmeinung. Denn das gibt Schutz davor, dass die strahlenden Stoffe, die die Wahnsinnszeit von einer Million Jahre von der Biosphäre abgetrennt bleiben sollen, sich irgendwann doch ausbreiten, aufsteigen, ins Grundwasser und in die Luft gelangen. Aber in der Asse geht es eben nicht nach der reinen Lehre. In der Asse haben sie, wie es offiziell heißt, einen Laugen-Notstand, seit es Mitte 2008 mit der relativen Ruhe um das Projekt aus der Frühzeit der Atomeuphorie vorbei war. Inzwischen überschlagen sich die Meldungen über unhaltbare Zustände in dem Bergwerk, das bei Wolfenbüttel in Niedersachsen liegt. Einsturzgefahr ab 2014, bröselnde Salzgestein-Decken über Kammern mit kaputten, verbeulten, verrosteten Atomfässern, strahlende Pfützen, dubiose blei-ummantelte Fässer mit unklarem Inhalt.

Liedtke, der Wasser-Wächter, kann die Aufregung nicht verstehen. "Das hier ist ein sicherer Arbeitsplatz", sagt er. Tatsächlich ist die Strahlenbelastung, die man sich unten in der Asse einfängt, sogar niedriger als übertage durch die natürliche Radioaktivität - solange man außerhalb der Kontroll- und Sperrbereiche bleibt. Viele Fehlinformationen liefen über die Medien, kritisiert Liedtke. "Die bringen die Sachen durcheinander." Fakt ist freilich: Der langjährige Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München (früher hieß es Gesellschaft für Strahlenschutz), bekam von der Bundesregierung die Zuständigkeit abgenommen. Seit dem 1. Januar 2009 ist das Umweltminister Sigmar Gabriel unterstehende Bundesamt für Strahlenschutz im nahen Salzgitter Herr des Verfahrens - gemäß einem Diktum des SPD-Ministers, der in der Gegend übrigens seinen Wahlkreis hat - und das Endlager als "löcherig wie einen Schweizer Käse" bezeichnete.

Die Löcher erklären sich aus der Geschichte der Grube. Liedtkes Sohle ist nur eine von 13 Abbau-Etagen in Tiefen von 490 bis 750 Metern, aus denen seit 1899 Kali-Dünger und feines Steinsalz - der Hausfrau damals als Asse Sonnensalz bekannt - herausgeholt wurden. 1964 war damit Schluss. Der weitere Abbau lohnte sich nicht mehr. Bald meldete sich eine Interessentin: die Bundesrepublik Deutschland. Und zwar in Form der Gesellschaft für Strahlenschutz. Für rund 600000 Mark wechselte die Grube 1965 den Besitzer. Die Rechner im für die Finanzen zuständigen Forschungsministerium hielten das für ein Schnäppchen. Hintergrund: Das Kernforschungszentrum Karlsruhe, ebenfalls in Staatsbesitz, wollte damals Atommüll los werden. Eine Halle für das strahlende Zeugs zu bauen, hätte 1,6 Millionen Mark gekostet. Da schien die Asse spottbillig. Zumal man damit auch jede Menge Platz für weiteren Nuklearabfall aus Industrie und Medizin bekam. So mutierte die Asse zum weltweit ersten Endlager für Atommüll, obwohl es offiziell doch nur ein "Forschungsbergwerk" sein sollte. Ziel: zu untersuchen, ob Salzstöcke - wie etwa Gorleben - sich denn überhaupt als Endlagermedium eignen, in dem der strahlende Abfall dauerhaft sicher untergebracht werden kann.

Sorglosigkeit stand Pate. Die interne Bewertung, die Grube sei als Atom-Grab "nur beschränkt" geeignet, fiel unter den Tisch. Unbeachtet blieben auch Warnungen der Praktiker vor Ort. Verbürgt ist die Aussage eines erfahrenen Obersteigers: "Wir kämpfen doch schon seit Jahren gegen das Wasser." Der Schacht Asse II werde absaufen wie Asse I und III vor ihm. Tatsächlich hatten die Burbacher Kaliwerke den ersten Zugang zu dem Salzstock schnell aufgeben müssen. Der Grund: Sie hatten das Gestein, um möglichst viel Kali und Salz abbauen zu können, bis auf wenige Meter an das darüber liegende, wasserführende Deckgebirge ausgehöhlt. Das bahnte der Zerstörung den Weg. Wasser ist Gift für die Stabilität des Gesteins, denn es laugt besonders die Kali-Schichten aus, die das Salz durchziehen. Sie bröseln, werden brüchig, fallen zusammen.

In den 60er Jahren machte man sich deswegen keinen Kopf. 1967 ließ das Bundesforschungsministerium die ersten Atommüll-Fässer heranschaffen. Sie landeten in Kammer 4 in 750 Metern Tiefe. Zuerst packten die Bergleute sie ordentlich nebeneinander, sozusagen "rückholbar", dann, um sie dichter zu packen, übereinander. Aber auch das schien irgendwann zu mühselig. In den 70er Jahren kippte man die Fässer von einer aufgeschütteten Böschung einfach in den Hohlraum ab. Am Ende noch loses Salz drüber - fertig. Die Vorgabe, sie so zu lagern, dass man sie irgendwann auch wieder rausholen könnte, wurde stillschweigend fallen gelassen.

Was genau in der Asse liegt, weiß keiner. Es gab keine Deklarationspflicht für die einzelnen strahlenden Isotope. Zwischen 1967 und 1978 landeten in gut 700 Metern Tiefe 125000 Fässer mit niedrig strahlendem Müll und bei minus 500 Meter 1300 Fässer mit mittelradioaktivem Abfall. Die Fässer enthalten nach radiologischen Berechnungen unter anderem zwölf Kilogramm des hochgiftigen Plutoniums und 102 Tonnen Uran.

Im Jahr 1988 kam das Wasser. Auf einmal war es da. Jene insgesamt zwölf Kubikmeter pro Tag, die bis heute durch den Berg drücken. Es wurde klar: Die Asse ist dauerhaft nicht zu halten. Während die Endlager-Forschung - Stichwort: Erkenntnisse für Gorleben gewinnen - noch bis 1995 weiterlief, startete der Asse-Betreiber den ersten Versuch, das Brösel-Bergwerk zu stabilisieren. Er schaffte gigantische Mengen Abraum-Salz von anderen Bergwerken in die Kavernen, um sie aufzufüllen und so den Druck von oben aufzufangen. Doch der eingeblasene "Salzgrus" sackte wieder zusammen. Über dem Material bildeten sich neue Spalten.

Annette Parlitz steigt in die Eisen. Der offene Geländewagen, mit dem die junge Asse-Mitarbeiterin die Besucher rasant durch die warmen Schächte des Bergs gefahren hat, stoppt abrupt. Parlitz leuchtet mit ihrer Grubenlampe nach oben. Eine offene Kaverne, Salzgrus bis fast zur Decke. Darüber eine Lücke, vielleicht zehn, 20 Zentimeter Luft statt Salz. "Das stützt gar nichts", sagt Parlitz. Weiter unten im Berg dann eine Stelle, wo man versucht hat, das nachsackende Salzpulver mit einer Schicht Beton zu stabilisieren. Schon besser, aber auch nicht richtig erfolgreich. Das ist der Grund, warum das Helmholtz-Zentrum nach 2002 ein neues Konzept entwickelte, das den Protest gegen die Asse erst so richtig ins Laufen brachte: Flutung des Atom-Lagers. Die Asse einfach vollzupumpen mit riesigen Mengen einer Magnesiumchlorid-Lösung, die das Gestein nicht weiter auslaugen würde, erschien den Experten die einfachste Lösung. Dass sie heikel ist, war ihnen wohl klar. Denn irgendwann würden Plutonium, Uran und Co. aus den rostenden Fässern austreten. Und irgendwann, vielleicht in 150, in 1000 oder 10000 Jahren, auch an die Oberfläche kommen. Die Grenzwerte würden aber nicht überschritten, hieß es.

Was da geplant war, sickerte erst allmählich nach draußen durch. "Ich konnte es gar nicht glauben", sagt Heike Wiegel, eine SPD-Kommunalpolitikerin. Sie wohnt in der kleinen Ortschaft Remlingen, nur zwei Kilometer von der Asse entfernt. Sie erinnert sich: "Der Atommüll wird nicht trocken gelagert werden können", trug ein Experte 2003 auf einer Info-Veranstaltung der Asse-Betreiber vor. Wiegel, die die Bürgerinitiative AufpASSEn mitgründete, forschte nach. Der damalige Asse-Betriebsleiter habe eingeräumt, es werde "zehn bis 100 Jahre" dauern, bis der Atommüll komplett in Lösung gegangen sei. Wiegel kommt in Rage, wenn sie davon erzählt. "Wenn es 150 Jahre dauert, bis das Zeug an der Oberfläche ist, betrifft das ja schon meine Enkel." Die zierliche, vom Naturell her eigentlich zurückhaltende Frau, hat nun sieben Jahre Kampf gegen die Asse hinter sich. Und erstmals gibt es einen Lichtblick, seitdem Gabriel und das Bundesamt für Strahlenschutz das Bergwerk regieren.

Der heißt im Amtsdeutsch: Optionen-Vergleich. Experten untersuchen, ob es Alternativen zur Flutung gibt. Ob es möglich ist, die Atomfässer wieder aus der Asse herauszuholen, um sie anderswo einzulagern. Ob eine bessere Methode der Stabilisierung mit Beton das Problem lösen kann. Bis zur Entscheidung werden noch Monate vergehen. Sicher ist derweil, dass die Asse den Steuerzahler viel Geld kosten wird. Hartmut Reime, ein Kollege von Andreas Liedtke, sagt dazu: "Man hätte hier mit dem Atommüll gar nicht anfangen dürfen." Eine Erkenntnis, die 44 Jahre zu spät kommt.
Quelle:
fr-online.de

Samstag, 17. Januar 2009

Asse: Kammer 4 droht zusammenzubrechen /17.01.09

Asse: Das marode Bergwerk droht einzustürzen
Kammerflimmern im Atom-Endlager
Wenn Kammer 4 zusammenbricht, droht eine radioaktive Verseuchung im gesamten Salzstock. Gibt es noch eine Sicherung? Die Zeit läuft davon.
Von Ludger Fertmann

Hannover - Das zuständige Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weiß noch nicht, wie er mit der neuen Gefahrenlage im Atom-Endlager Asse bei Wolfenbüttel umgehen will. Dort ist eine Lagerkammer mit 6000 Atomfässern einsturzgefährdet. Aber erst am 29. Januar werden die Fachleute laut BfS entscheiden, ob die gefährdete Kammer 4 stabilisiert wird und ob neue Barrieren gebaut werden, die bei einem Einsturz verhindern sollen, dass das ganze alte Salzbergwerk radioaktiv verseucht wird.

Stefan Wenzel (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses im niedersächsischen Landtag, äußerte Zweifel an der Darstellung, in der akut betroffenen Kammer lagerten lediglich schwach radioaktiv belastet Fässer. "Die Kammer 4 ist die erste, die von 1967 bis 1971 befüllt wurde. Da ist der Müll reingekommen, der damals schon in der Bundesrepublik angefallen ist." Aber was in die Asse hineingekommen ist, sei damals nicht kontrolliert worden. Es gebe nur Angaben von Lieferanten. Marode Asse - wie geht es weiter?

Welche Folgen hätte ein Einsturz von Kammer 4?
Der Leiter des Referats Endlagerung im niedersächsischen Umweltministerium, Joachim Bluth, sieht die Gefahr, dass ein Zusammenbruch der Kammer zu stärkeren Laugenzuflüssen im Endlager führen könnte. Solche Zuflüsse aber drohen das komplette Konzept der sicheren Endlagerung von rund 125 000 Fässern in der Asse für einen Zeitraum von mindestens 100 000 Jahren zu durchkreuzen. Denn über die Flüssigkeit kann die Radioaktivität wieder an die Erdoberfläche gelangen.

Wie viel Zeit bleibt?
Auf diese entscheidende Frage gibt es derzeit keine Antwort. Das Bergwerk ist, so hat es Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ausgedrückt, "durchlöchert wie ein Schweizer Käse". Es besteht nicht nur bei der Kammer 4 Einsturzgefahr. Gegenwärtig wird untersucht, ob das alte Bergwerk mit Beton über das Jahr 2014 hinaus stabilisiert werden kann. Nur wenn dies möglich ist, kann Gabriel sein Versprechen halten, auch eine Rückholung des Atommülls ergebnisoffen zu prüfen.

Ist eine Rückholung überhaupt machbar?
Diese Frage wird von den Fachleuten bejaht, aber sie wäre mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Erste Schätzungen gehen von mindestens 2,5 Milliarden Euro Kosten aus, und es würde 25 Jahre dauern. Weil damit zu rechnen ist, dass ein Teil der zwischen 1967 und 1978 eingelagerten Fässer bereits verrostet ist, könnten die Bergleute immer nur stundenweise vor Ort arbeiten, damit die Belastung mit radioaktiver Strahlung im gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen bleibt. Entweder unter Tage oder oberirdisch müsste zudem ein großes Zwischenlager gebaut werden, um den Atommüll neu zu packen für eine spätere Unterbringung im Endlager Schacht Konrad.

Wer bezahlt das eigentlich?
Die Steuerzahler. Zwar tragen eigentlich die Atomstromkonzerne die überwiegenden Kosten der atomaren Endlagerung, die Asse aber ist als Forschungsbergwerk in der Regie des Bundes betrieben worden. Deswegen steht die Bundesrepublik für die Folgekosten gerade.

Wer führt Regie?
Bis Ende 2008 war das Bundesforschungsministerium und in dessen Auftrag das Helmholtz-Zentrum München für Asse zuständig. Mit dem neuen Jahr hat das Bundesamt für Strahlenschutz die Regie übernommen, nun gilt statt des Bergrechts das ungleich strengere Atomrecht. Das Bundesamt gehört zum Bundesumweltministerium, dessen Chef Sigmar Gabriel sagt, der Betrieb der Asse sei unter dem Helmholtz-Zentrum "teilweise unsachgemäß und unter Vernachlässigung von Schutzforderungen erfolgt".

Was sagt die Justiz dazu?
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat in dieser Woche die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgelehnt. Es gebe keine Anhaltspunkte für illegale Einlagerungen, und auch das Vorgehen der Behörden nach Berg- und nicht nach Atomrecht sei "rechtlich vertretbar" gewesen.
Quelle:
Hamburger Abendblatt

Freitag, 16. Januar 2009

Asse: Teile der Decke instabil /16.01.09

Einsturzgefahr im Endlager AsseZufließende Laugen und Risse im Gestein beeinträchtigen massiv die Stabilität des Atommülllagers Asse in Niedersachsen. Am Donnerstag schlug das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), seit Jahresbeginn Betreiber des Bergwerks, Alarm.
von Reimar Paul

Göttingen - Eine Einlagerungskammer in der etwa 6 000 Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen liegen, ist so stark beschädigt, dass Strahlung zu entweichen droht. Teile der Decke seien instabil, Gesteinsbrocken könnten sich lösen und auf die Fässer mit dem Müll krachen.

Das Umweltministerium in Hannover bestätigte die Schäden. Die Decke der betroffenen Kammer könne jederzeit einstürzen, sagte der Referatsleiter Endlagerung, Joachim Bluth. Als erste Nothilfe kündigte das BfS an, die Abdichtungen zu dem betroffenen Hohlraum mit Beton zu verstärken. Weitere „Gefahrenabwehrmaßnahmen“ würden geprüft, um im Falle eines Deckenabsturzes zu verhindern, dass sich radioaktiv belastete Stäube im Grubengebäude verteilen und über die Abluft ins Freie gelangen. Mittelfristig will das Bundesamt die beschädigte Kammer stabilisieren, für denkbar halten die Experten eine Verfüllung der Kammer. Nach Ansicht der Grünen muss auch geprüft werden, ob eine Öffnung der betroffenen Kammer gefahrlos möglich ist. Alle Sicherungsmaßnahmen sollten zudem so angelegt werden, dass eine spätere Bergung des Atommülls möglich bleibe, sagte der niedersächsische Fraktionschef Stefan Wenzel dem Tagesspiegel.

Neben der Einsturzgefahr sind die in das Bergwerk schwappenden Laugen das derzeit größte Problem in der Asse. Täglich sickern durch Risse rund 12 000 Liter Flüssigkeit in die Grube. BfS-Präsident König hat angekündigt, die Laugen in ein stillgelegtes Bergwerk bei Celle kippen zu lassen. Dort regt sich Protest gegen dieses Vorhaben. Reimar Paul
Quelle:
Der Tagesspiegel

ASSE-Gegner planen Lichterkette am 26. Februar /08.01.09

Die "Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad" informierte in einer Pressemitteilung über die Entwicklung in Sachen Atommüll-Lager ASSE II im Kreis Wolfenbüttel und geplante Proteststaktionen:
Am 1. Januar 2009 übernahm das Bundesamt für Strahlenschutz den Betrieb des Atommüll-Lagers ASSE II im Kreis Wolfenbüttel. An der katastrophalen Lage des Atommülls im Bergwerk ändert das allerdings nichts. Darauf wiesen Anwohner/-innen und Initiativen mit Aktionen rund um den Jahreswechsel hin. Am 5. Januar führten sie eine Mahnwache an der ASSE II durch. Anlass war die Eröffnung der Infostelle des Betreibers.

"Ursprünglich", sagt Udo Dettmann vom ASSE-II-Koordinationskreis, "haben mal die umliegenden Kommunen vom alten Betreiber eine Infostelle gefordert, aber das war sicherlich nicht als Ersatz für andere Maßnahmen gemeint. Über die Stabilisierung des Grubengebäudes wird jetzt seit über einem Jahr geredet und die Realisierung soll frühestens im Sommer 2009 beginnen. Für die Einrichtung der Infostelle waren ganze 6 Wochen nötig. Aber schöne Worte und bunte Bilder machen den Atommüll in der ASSE II nicht sicherer."

Statt Topdown-Informationen fordern die Bürgerinitiativen eine offene Auseinandersetzung und einen offenen Optionenvergleich unter Beteiligung der Betroffenen und unabhängiger Wissenschaftler/-innen.

Im Zusammenhang mit dem Übergang der Verantwortung für die Asse vom Bundesforschungsministerium auf Umweltministerium und BfS will Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Paragrafen 57 b in das Gesetz einfügen. Danach ist für das Atommülllager nur für die Schließung ein Planfeststellungsverfahren vorgesehen, für den Weiterbetrieb bis zur Stilllegung ausdrücklich nicht.

Als Protestaktion planen die ASSE-Gegner für Donnerstag, dem 26. Februar, um 19.00 Uhr eine 52 km lange Lichterkette von Braunschweig über die ASSE bis zum Schacht KONRAD.
Quelle: Rote fahne News

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Video: Satire, Scheibenwischer Asse vom 02.10.08

Dieses Video ist bei YouTube online gestellt worden.

Satire. Ein Beitrag aus dem Scheibenwischer vom 2.10.08, 7,41 min. Andreas Rebers über den Atommüll in der Asse. Den gesamten Beitrag auf der Internetseite des ERSTEN anschauen. Klick hier

Freitag, 26. September 2008

W. Ehmke: Die Endlagersuche ist gründlich vermASSElt /26.09.08

gelesen bei Neues Deutschland

Die Endlagersuche ist gründlich vermASSElt
Von Wolfgang Ehmke

Wolfgang Ehmke, 1947 im Wendland geboren, studierte Romanistik und Germanistik sowie Interkulturelle Pädagogik an der Universität Hamburg. Er arbeitet als Oberstudienrat an einem Hamburger Wirtschaftsgymnasium. Wolfgang Ehmke engagiert sich seit der Standortbenennung Gorlebens im Jahr 1977 in der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg und hat zahlreiche Beiträge zum Themenkreis nukleare Endsorgung publiziert.

Die Asse bringt es an den Tag! Jahrelang wurden die Warnungen von Bürgerinitiativen und Wissenschaftlern ignoriert, bis kontaminierte Laugenzuflüsse in der Kaligrube Asse II bei Wolfenbüttel für Schlagzeilen sorgten. Diese wurden ohne jede Genehmigung in die Tiefe gepumpt. 1965 kauft die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), die Vorläuferin des heutigen Betreibers, des Helmholtz-Zentrums, im Auftrag des Bundes das Kalibergwerk für 800 000 DM. Vom 4.4.1967 bis Ende 1978 wurden 124 494 Fässer mit schwachradioaktiven Abfällen gestapelt oder verstürzt. Aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe kamen 1293 Fässer mit mittelradioaktivem Abfall hinzu. Lecke und korrodierte Fässer wurden angeliefert, flüssige Abfälle eingelagert.

Auf ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren wurde seitens der GSF bewusst verzichtet, eine Bergung der Fässer war nie vorgesehen. Von Anfang an wussten die Betreiber von der Gefahr eines Wasserzuflusses. Doch Gefälligkeitsgutachter deckelten das riskante Unternehmen. Seit 1988 werden 12 Kubikmeter Wasser aufgefangen und abgepumpt. Die Lauge umspült zumindest eine Einlagerungskammer. Die Asse II säuft ab, der radioaktive Müll liegt drin. Ob eine – zumindest teilweise – Evakuierung der Abfälle noch möglich ist, soll bis zum Jahresende entschieden werden. 2,5 Milliarden Euro sind laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Notsicherung veranschlagt. Die Zuständigkeit wechselte, die Probleme bleiben.

Jahrelang galt die Asse als Pilotprojekt für Gorleben. Die Einlagerung von wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen wurde dort simuliert. Wärmequellen sollten Aufschluss geben, wie sich das Salzgestein verhält. Zum Glück konnte Anfang der 90er Jahre verhindert werden, dass hochradioaktiver Müll aus der Plutoniumfabrik und Waffenschmiede Hanford (USA) eingelagert wurde. Jeder Salzstock hat ein individuelles Design. Deshalb verbietet sich ein Kurzschluss – die Asse säuft ab, also geht Gorleben nicht. Morsleben und die Asse II waren Gewinnungsbergwerke, dort wurde Kali abgebaut. Gorleben gilt als »unverritzt«. Doch die Parallelen zwischen der Asse und Gorleben liegen auf der Hand: Wasserkontakt, Gefälligkeitsgutachten, die Anwendung des Berg- statt des Atomrechts, was die Öffentlichkeit bei der »Erkundung« faktisch ausschließt. Die Befürworter Gorlebens sollten unbedingt in den Unterlagen des Innenausschusses des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1984 blättern. Der »Bericht der Bunderegierung zur Entsorgung der Kernkraftwerke und anderer kerntechnischen Einrichtungen« dokumentiert, dass von neun angehörten Experten fünf sich für einen Abbruch der Erkundung in Gorleben aus geologischen Gründen aussprachen.

Das Gorleben-Moratorium des Jahres 2000 war Ergebnis eines politischen Kompromisses, zustande gekommen ist das Moratorium aber nur, weil Geologen an der Eignung Gorlebens zweifeln. Auf 300 Seiten legte Prof. Dr. Klaus Duphorn bereits 1982 fundiert und akribisch dar, welche Risiken der Salzstock Gorleben als Folge der komplizierten geologischen Struktur und der Wasserkontakte für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle birgt. Auftraggeber war die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), also die Vorgängerbehörde des BfS.

Im Mai 1983 hatte der Amtsleiter Professor Helmut Röthemeyer in Hannover gegenüber Journalisten eine Zusammenfassung der bis dahin vorliegenden Untersuchungsergebnisse mit einer »internen Gesamtbewertung« verbunden, die zu der Empfehlung gelangte, »das Erkundungsrisiko breiter zu streuen«. Ziel der PTB war es, auch andere Salzstöcke zu erkunden. Für eine Behörde war das ein unerhört mutiger Schritt, konsequenter wäre gewesen, ganz auf die Einbahnstraße Gorleben zu verzichten. Erst zwei Jahre später erfuhr die Presse, dass die Bundesregierung der PTB per Weisung untersagt hatte, derartige Überlegungen anzustellen (FR 25.7.1985 »Maulkorb für kritische Äußerung über Gorleben«). Übrigens: Unverritzt ist auch das Endlagerbergwerk Gorleben nicht mehr. Mit dem Ausbau der Schachtanlage wurden Wasserwegsamkeiten eröffnet. Spätestens während einer Betriebsphase wäre ein solches Argument ohnehin hinfällig.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel plädiert für einen Standortvergleich und räumt ein, dass es eine Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Endlagersuche geben müsste. Soweit könnte man ihm zustimmen. Vorab aber hat er Sicherheitskriterien veröffentlicht, die auf Gorleben zugeschnitten wurden: Es ist nicht mehr die Rede von einem Mehrbarrierensystem. Allein das Endlagergestein soll für eine Million Jahre Sicherheit bieten. Welch Hybris! In allen Interviews wiederholt er, dass Gorleben als Endlager zu Ende gebaut wird, wenn sich keine Alternativen aufdrängen. Es drängt sich eher die Frage auf, warum allein in Deutschland die nukleare Community auf Salz als Endlagergestein setzt. Es gibt gleich zwei Einbahnstraßen: Gorleben und Salz.

Völlig unberührt von diesen Vorgängen trommeln die Unionsparteien für die Nutzung der Atomkraft, die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Vor allem Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) tut sich mit seinem Lobbyismus hervor. Mal bewirbt er in Greenwash-Manier den angeblich CO2- freien Atomstrom, mal lockt er mit Zuschüssen beim Kauf von Elektrogeräten. Sofort und sorgfältig koordiniert wiederholt CSU-Chef Erwin Huber, dass der Salzstock Gorleben als Endlager tauge. Die »Killing Fields« der Pro-Atom-Kampagne wie die Krebshäufung im Umfeld der Atommeiler und das Atommülldesaster werden ausgeblendet. Der Wind dreht sich. Argumente zählen. Der Bundeskanzlerin Angela Merkel entfuhr, um den Dominoeffekt einzugrenzen, nur noch die Klage, dass in Gorleben bereits 1,51 Milliarden Euro verbaut wurden. Geld statt Sicherheit. Das ist übrigens die einzige Summe, die von den Atomstromproduzenten aufgebracht werden musste. Ein Witz angesichts der 30 Milliarden Euro, die die Atomstromkonzerne steuerfrei an Rücklagen für die nukleare Entsorgung angehäuft haben. Allein aus den Zinsen ließen sich Alternativen zu Gorleben erkunden. Es ist eine gute Zeit für Weichenstellungen. Das Asse-Desaster lenkt den Blick auf das Gorleben-Desaster. Und das Atommülldesaster verbietet den Weiterbetrieb oder gar die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.
Quelle: Neues Deutschland

Donnerstag, 11. September 2008

Asse: Die gleichen Experten wie für Gorleben /6.09.08

»Reputation beschädigt»
Harms: Welche Rolle spielten Asse-Verantwortliche für Gorleben?

Die hiesige Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms fordert, dass der Einfluss von Verantwortlichendes Skandal-Atommülllagers Asse II auf die Gorleben Entscheidungen systematisch geklärt werden müsse. Dabei seien vor allem die Bundesminister Schavan (CDU), Gabriel (SPD) und Landesumweltminister Sander (FDP) gefordert.

Die »skandalöse Verantwortungslosigkeit» der Betreiber und der Verantwortlichen für die Asse beschädigen nach Meinung der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Europäischen Parlament die Glaubwürdigkeit und die wissenschaftliche Reputation einer Reihe von namhaften Institutionen und Experten der Endlagerung in Deutschland. Harms fordert, dass alle Arbeiten, mit denen Einfluss auf die deutsche Endlager-Strategie genommen worden seien, neu bewertet werden müssten.

Im Fokus ihres Verdachtes befinden sich die Bundesanstalt für Bodenforschung - heute Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) -, das ehemalige Institut für Tieflagerung -heute Helmholzzentrum München und Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit - sowie Professor Kühn, einst wissenschaftlicher Leiter der Asse. Er gelte in der Atomindustrie und bei Teilen der verantwortlichen Behörden als einer der wichtigsten Endlagerexperten.

Sie alle spielten eine Rolle im Skandal um die Asse - und in Entscheidungen zur Endlager-Strategie und zu Gorleben. Es stelle sich die Frage, ob die damaligen Entscheidungen vor diesem Hintergrund heute überhaupt noch als belastbar gelten können, teilt Harms mit: »Ich bin über die bewusste und organisierte Verantwortungslosigkeit von wissenschaftlichen Institutionen und Personen, die eine große Rolle in allen Endlagerauseinandersetzungen in Deutschland gespielt haben, erschüttert.»
Quelle:
ELBE-JETZEL-ZEITUNG

Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch die Stellungnahme Harms auf der Internetseite von Wendland-net.de

Dienstag, 9. September 2008

Fiasko beim Pilotprojekt und keine Konsequenzen für Gorleben /3.09.08

gelesen bei die Linkszeitung
Das marode Kalibergwerk Asse II ist von Anfang an als Atommülllager ohne eine entsprechende Genehmigung genutzt worden und hat offenbar niemals den Sicherheitsanforderungen für die Lagerung hochradioaktiver Kernbrennstoffe genügt. Das hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nun auch offiziell eingestanden. Aus Sicht der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow- Dannenberg greift die Darstellung von Gabriel jedoch viel zu kurz. "Bei allen Unterschieden zwischen einer ehemaligen Kaligrube, die illegal als Endlager genutzt wurde, und einem Neubau im Salzgestein wie in Gorleben, drängen sich Parallelen zwischen der Asse II und Gorleben förmlich auf", unterstrich BI-Sprecher Ehmke.

Jahrelang galt die Asse II als Pilotprojekt für Gorleben. Geowissenschaftler, die sich, wie Prof. Klaus Kühn, für Gorleben stark machten, hatten auch der Asse II wider besseren Wissens einen "Persilschein in puncto Standsicherheit und Trockenheit" ausgestellt.

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Vorläuferbehörde des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), hatte nach Auswertung der Tiefbohrungen im Raum Gorleben bereits aus eigener Initiative vorgeschlagen, das "Erkundungsrisiko breiter zu streuen" und auch andere Standorte als Gorleben zu untersuchen. Der Hintergrund: Der Salzstock Gorleben ist nicht wasserdicht, das heißt nicht hinreichend gegen so genannte Wasserwegsamkeiten abgeschirmt.

Eine weitere brisante Parallele sei, dass das Umweltminister Gabriel direkt unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sehr wohl um die geologischen Daten wisse, die offenbar gegen Gorleben sprechen. "Das BfS legt sie aber nicht offen und mauert bei Anfragen", rügt die Bürgerinitiative. "Das nächste offizielle Eingeständnis ist überfällig, aus Asse II lernen heißt, auf Gorleben zu verzichten."

Die Gorleben-Gegner würden mit Vehemenz dafür kämpfen, dass die katastrophalen Erkundungsergebnisse der 80er Jahre, die erst sehr spät zum Gorleben-Moratorium, also einem Baustopp unter Tage, geführt hatten, endlich auf den Tisch kommen. Der nächste GAU drohe sonst in Gorleben, sollte dort Atommüll eingelagert werden. "Eine ergebnisoffene Endlagersuche setzt aber voraus, auf die Atomkraft und die Atommüllproduktion vollständig zu verzichten."
Quelle:
Die Linkszeitung

Montag, 25. August 2008

Jochen Stay: Das Desaster von Asse II kann sich wiederholen /21.08.08

Strahlenkatzenjammer
Das Desaster von Asse II kann sich wiederholen: Denn das undichte Endlager für Atommüll ist nur eine Versuchsstätte für den großen Stollen in Gorleben.
von Jochen Stay

Die Leserinnen und Leser brauchen starken Nerven: In dem Buch »Warnungen an die ferne Zukunft« sind die Beiträge eines Wettbewerbs unter Semiotikern veröffentlicht. Semiotiker sind die Wissenschaftler, die sich mit Zeichen beschäftigen. Die Aufgabenstellung des Wettbewerbs war: Welche Kommuni­ka­tionsmethoden sind geeignet, unsere Nachkommen noch in 10 000 Jahren wissen zu lassen, wo radioaktiver Atommüll lagert und welche Orte man deshalb besser meidet?

Riesige Monumente wie in Stonehenge werden vorgeschlagen, wobei so etwas bekanntlich Schatz­gräber eher anlockt als abstößt. Genma­nipulierte Katzen sollen bei Strahlung ihre Fellfarbe ändern, und ein Märchen soll dann die ­Botschaft von der »Strahlenkatze« über die Zeit retten. Einer schlägt gar die Gründung einer »Atompriesterschaft« vor, da in politisch instabilen Zeiten wie z. B. dem Mittelalter allein in Klöstern altes Wissen bewahrt werden konnte.

Die Gedankenspiele der Semiotiker machen nicht den Eindruck, als sei das Problem vernünftig lösbar. Im letzten Kapitel des Buchs zieht ­Su­sanne Hauser vom Frauenforschungszentrum Berlin ein ernüchterndes Resümee: »Der Müll steckt längst in uns.« Es habe keinen Sinn, über die langfristige Kennzeichnung von Lagerstätten für Atommüll zu diskutieren, wenn große Mengen strahlender Stoffe bereits heutzutage in die Bio­sphäre entwichen.

Ganz ähnlich mutet die derzeitige Diskussion um die Endlagerung radioaktiver Abfälle in der Bundesrepublik an. Umweltminister Sigmar Ga­briel (SPD) lässt verkünden, der Atommüll müsse für eine Million Jahre sicher gelagert werden. Andererseits erfahren wir seit Monaten immer mehr darüber, dass es im so genannten »Versuchsendlager« Asse II in der Nähe von Wolfenbüttel noch nicht einmal vier Jahrzehnte lang möglich war, das Bergwerk dicht zu halten. Stattdessen zeigt sich Murphys Gesetz in mustergültiger Form: Ein­sturzgefahr, Wasser dringt ein, radioaktive Laugen treten aus, Grenzwerte werden nicht eingehalten, außer dem genehmigten schwachaktiven Müll wurden auch Kernbrennstoffe eingelagert. Die Fortsetzung folgt.

All dies war den Betreibern und Behörden jahre­lang bekannt, wurde aber vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Es ist eigentlich höchste Zeit, den Versuch, ein »Versuchsendlager« zu betreiben, abzubrechen. Aber mehr als 12 000 Fässer voller Atommüll wurden so ins Salzbergwerk gekippt, dass eine Rückholung äußerst teuer wäre und nebenbei auch hochriskant für die mit ihr befass­ten Arbeiter.

Die Aufarbeitung des Desasters in Asse II wird uns wohl noch Jahre beschäftigen. Doch das ist nur das Vorspiel für den eigentlichen Konflikt: Schließlich wurde das Bergwerk bei Wolfenbüttel von der Atomlobby immer als leuchtendes Vorbild für das eigentliche, große »Atomklo« im Salz­stock von Gorleben gepriesen.

In Gorleben wurden bisher mehr als 1,5 Milliar­den Euro ausgegeben, um zwei 800 Meter tiefe Schächte und einige Stollen ins Salz zu treiben. Atommüll befindet sich dort unten noch nicht. Er wird oberirdisch in Castor-Behältern in einer gewöhnlichen Lagerhalle aufbewahrt. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen Baustopp im Bergwerk. Die rot-grüne Bundesregierung vereinbarte im »Atomkonsens« mit den Stromkonzernen ein zehn­jähriges Moratorium, um in dieser Zeit nach Alternativen zum Gorlebener Endlager zu suchen. Nun sind die zehn Jahre Pause bald vorüber, und nichts ist passiert, außer dass täglich in den AKW weiterer Atommüll anfällt.

Zudem scheint sich die Geschichte von Asse II zu wiederholen Sigmar Gabriel hat die aus dem Jahr 1979 stammenden Sicherheitskriterien für ein zukünftiges Atommüll-Endlager aktualisieren lassen. Mit ihnen will er sich nun auf die Suche nach einem geeigneten Ort machen. Bisher galt das »Mehrbarrierenprinzip«: Grundvoraussetzung war, dass sich über dem eigentlichen Salzgestein ein wasserdichtes Deckgebirge befinden musste. Diese Bedingung wurde nun gestrichen. Wie es der Zufall will, fehlt dieser schützende Deckel gerade in Gorleben. Der dortige Salz­stock hat direkten Kontakt zum Grundwasser.
Quelle:
Jungle World

Sonntag, 24. August 2008

Doch hochaktiver Müll in Asse? 23.08.08

Vor 30 Jahren wurden abgebrannte Brennelemente eingelagert
Von Reimar Paul

Im niedersächsischen Atommüllendlager Asse liegt entgegen offiziellen Beteuerungen doch hochradioaktiver Abfall. Diesen Vorwurf erheben Bürgerinitiativen, atomkritische Wissenschaftler und Politiker der LINKEN. Gleichzeitig wurde bestätigt, dass die radioaktiv belastete Lauge im Bergwerk aus korrodierenden Atommüllfässern stammt.

Dokumente, deren Kopien dem ND vorliegen, zeigen, dass zwischen 1973 und 1976 mindestens 94 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich in die Asse gebracht wurden. Die Fraktion der LINKEN im Niedersächsischen Landtag spricht sogar von »mehreren hundert Fässern mit hochradioaktivem Atommüll« in der Asse. Zwar deklarieren die Begleitpapiere die radioaktiven Kugeln als schwach aktiven Müll, doch der Göttinger Chemie-Professor Rolf Bertram sagt: »Die Grafitkugeln sind bestrahlte Brennelemente und fallen natürlich unter die Rubrik hochradioaktiv.«

Die in Beton eingegossenen Grafitkugeln aus dem Versuchsreaktor enthalten den Papieren aus Jülich zufolge unter anderem die radioaktiven Stoffe Cäsium-134, Scandium-46, Europium-154, Ruthenium-155, Antimon-124 sowie das radioaktive Kohlenstoff-Isotop C-14. Bertram wies gestern zudem daraufhin, dass sich im Endlager Asse rund ein Kilogramm des hochradioaktiven Stoffes Americium-241 befindet. »Americium ist ein Zerfallsprodukt von Plutonium und der stärkste Alpha-Strahler, den es überhaupt gibt«, so der Wissenschaftler. Bertram ist einer von drei Experten, die den Landkreis Wolfenbüttel zum Thema Asse fachlich beraten.

Die Grafitkugeln stammen aus einem von 1959 bis 1966 in Jülich gebauten Prototypen für den später in Hamm errichteten Hochtemperaturreaktor (HTR). Hochtemperaturreaktoren werden mit Gas statt mit Wasser gekühlt. Sowohl der Versuchsreaktor in Jülich als auch der Leistungsreaktor in Hamm wurden nach etlichen Pannen stillgelegt.

Unterdessen bestätigen neue Untersuchungen, dass die bislang ungeklärte radioaktive Vermischung von Salzlauge in der Asse von verrostenden oder undichten Atommüllfässern in mindestens einer Lagerkammer herrührt. Nach dem vom Umweltministerium in Hannover vorgestellten Gutachten der Technischen Universität Clausthal und des Forschungszentrums Jülich hat die Lösung Kontakt mit dem Atommüll gehabt. Die mit Cäsium-137 und anderen radioaktiven Stoffen verstrahlte Lauge tritt seit Jahren in 750 Metern Tiefe auf. Grenzwerte wurden zum Teil um das Zehnfache überschritten. Laugenzuflüsse gibt es zudem in höheren Bereichen des Endlagers, dort dringen täglich etwa zwölf Kubikmeter Flüssigkeit in das Bergwerk ein.

Der Landrat von Wolfenbüttel, Jörg Röhmann (SPD), wirft dem Betreiber des Bergwerkes Versäumnisse vor. Den Umgang mit radioaktiv belasteter Lauge bezeichnete Röhmann als »undifferenziert und planlos«. Er sagte: »Das sind Bergleute, die verstehen bis heute nicht, dass es um hoch gefährliche Atomabfälle geht.«

Die Grünen-Landtagsfraktion sieht sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt. »Ganz offenbar lecken die Fässer schon nach 30 Jahren«, sagt Fraktionschef Stefan Wenzel. Zugleich kritisierte er, die Öffentlichkeit werde nur scheibchenweise informiert.
Quelle:
Neues Deutschland