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Samstag, 5. November 2011

McAllister bringt Castor-Transport auf den Weg /1.11.11

Trotz aller Kritik: Der nächste Castor-Transport mit hoch radioaktivem Abfall nach Gorleben wird wie geplant stattfinden. Eine Entscheidung, die für den niedersächsischen Umweltminister Sander ein böses Nachspiel haben könnte.

Die niedersächsische Landesregierung erwartet den Castor-Transport nach Gorleben wie geplant Ende November. „Der Castor-Transport wird stattfinden, die rechtlichen Voraussetzungen dafür sind erfüllt“, sagte Ministerpräsident David McAllister (CDU) am Dienstag nach einer Kabinettssitzung. Man freue sich allerdings nicht über den Transport, sagte McAllister. Dieser sei eine „besondere Belastung für das Land“. Am 24. November sollen in Frankreich elf Atommüllbehälter zum Zwischenlager Gorleben starten.

Der für die Sicherung der Route zuständige Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) berichtete dem Kabinett über seine Zustimmung zur Einlagerung weiterer Atommüllbehälter in Gorleben. Für Sander könnte das noch ein böses Nachspiel haben. Die Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg kündigte eine Strafanzeige gegen den FDP-Politiker an. „Mit der Zustimmung zur Einlagerung elf weiterer Castoren leistet Sander Beihilfe zur unerlaubten Freisetzung ionisierender Strahlen“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolfgang Ehmke.

„Strahlung heruntergerechnet, bis es passt“
Dies werde man der Staatsanwaltschaft Lüneburg mitteilen und eine Anzeige gegen den Betreiber des Zwischenlagers um den Vorwurf gegen Sander erweitern. Für die Zustimmung zur Einlagerung habe Sander die Strahlung aus den Behältern „heruntergerechnet, bis es passt“, bemängelte Ehmke.

Im Vorfeld hatte es einen monatelangen Streit um die Interpretation von Strahlenwerten am Zwischenlager gegeben. Messungen hatten zwischenzeitlich nahegelegt, dass der zulässige Höchstwert von 0,3 Millisievert (mSv) für das Gesamtjahr 2011 an der Anlage überschritten werden könnte. In diesem Fall hätten keine weiteren Behälter nach Gorleben gebracht werden dürfen. Spätere Untersuchungen ergaben dann niedrigere Prognosen – vor allem die Grünen witterten eine Manipulation und ein Schönfärben der Zahlen.

Umweltministerium wiegelt ab

Für das Umweltministerium gibt es nach weiteren Prüfungen keinen Anlass, die Einlagerung abzusagen. Selbst wenn elf neue Castoren auf das Gelände kommen, werde der Strahlungshöchstwert aller Voraussicht nach unterschritten. Unter Berücksichtigung aller Messergebnisse und Prognosen rechne man nur mit einer Jahresdosis von bis zu 0,235 mSv am Zaun des Lagers. „Aus Sicht des Umweltministeriums liegen keine Hinweise vor, die gegen die Erteilung der Zustimmung sprächen“, hieß es aus dem Umweltministerium.

Der Umweltausschuss des Landtags sprach sich bei einem Besuch in Gorleben mehrheitlich für den neuen Transport aus. Opposition und Castor-Gegner reagierten mit massiver Kritik. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel bekräftigte seinen Vorwurf an die schwarz-gelbe Landesregierung, die Messwerte um das Zwischenlager für hoch radioaktiven Atommüll zu ihren Gunsten auszulegen: „Ich sehe mich im Verdacht auf Manipulation der Grenzwerte bestärkt.“
Quelle: focus online

Dienstag, 1. November 2011

Wütend vor dem Sitzungssaal. Nach der Sitzung in Lüchow: Viel Kritik am »Nein» des Landtags-Umweltausschusses zur Castor-Absage /31.10.11

Wütend vor dem Sitzungssaal
Nach der Sitzung in Lüchow: Viel Kritik am »Nein» des Landtags-Umweltausschusses zur Castor-Absage

rg Lüchow. Die Stimmung ist aufgeheizt vor dem Sitzungssaal im Lüchower Kreishaus. Drinnen berät der Umweltausschuss des Niedersächsischen Landtages über einen Antrag, den für Ende November geplanten Castor-Transport nach Gorleben abzusagen - weil durch dessen nukleares Inventar nach Ansicht einiger Experten der Strahlungs- Grenzwert am Zwischenlager überschritten werden könnte.

Vor dem Sitzungsaal warten Pressevertreter und ein gutes Dutzend Castor-Gegner. Und die wollen vor allem die Ausschussmitglieder mit CDU- und FDP-Parteibuch zur Rede stellen. Denn daran, dass der mehrheitlich mit schwarz-gelben Koalitionären besetzte Ausschuss dem Antrag der Opposition zustimmt, glaubt kaum jemand. Weder im noch vor dem Sitzungssaal.

Und in der Tat: Der Ausschuss werde dem Landtag empfehlen, den Antrag abzulehnen, verkündet der Generalssekretär der Niedersachsen-CDU, Ulf Thiele. Am Vormittag hatte der Ausschus das Zwischenlager in Gorleben besucht und sich die Messverfahren und Berechnungen erklären lassen, so Martin Bäumer, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Man habe sich erläutern lassen, woher die unterschiedlichen Messwerte kommen, habe sich die Berechnungsmodelle erklären lassen und sei »zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass die vorliegenden Daten falsch» seien und so könne der Transport stattfinden, so Bäumer. Als »ausgesprochen ergiebig an Informationen» bewertete die Lüchow-Dannenberger CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock den Besuch im Zwischenlager. Es seien »viele berechtigte Fragen zur Siherheitsbewertung beantwortet worden».

Ganz anders interpretierten Miriam Staudte (Grüne) und Kurt Herzog (Linke) die Erkenntnisse aus dem Gorleben-Besuch und den Gesprächen und Beratungen. »Wenn das Umweltministerium sagt, dass die Mess-werte durch einen weiteren Transport nicht überschritten werden, dann können wir das nicht akzeptieren», stellte Staudte heraus. Das Ministerium »als Atomaufsicht jongliert mit Zahlen, die nicht nachvollziehbar sind» und rechne sich »den Prognosewert schön», moniert die Umweltpolitikerin. Und Herzog merkte an, dass er bezweifele, dass sich auf Regierungsseite »auch nur ein Einziger mit den Messwerten intensiv auseinander gesetzt» habe. Das Bundesamt für Strahlenschutz und das Umweltministerium hätten sich nicht mit den Greenpeace-Rechnungen befasst, obwohl sie das zugesagt hätten, so Herzog. Entsprechend sei in der Ausschussitzung in Lüchow »absolut nichts Neues herausgekommen» und der Antrag abgelehnt worden.

Diese Entscheidung sorgte vor dem Sitzungssaal für großen Unmut. Sowohl der CDU-Generalsekretär als auch Bertholdes-Sandrock und Jürgen Auer, CDU-Ratsherr in Dannenberg und Pressesprecher der Zwischenlager-Betreibergesellschaft GNS, werden beschimpft. »Elende Bande», nennt sie ein aufgebrachter Demonstrant, »Atomsäcke» ein anderer, und auch als »asoziale Müll-Mafia» müssen sich die CDU-Politiker beschimpfen lassen.

Unmittelbar nach dem Ende der Ausschussitzung bezeichnete die Anti-Castor-Initiative »X-tausendmal quer» das Vorgehen des Niedersächsischen Umweltministeriums als »Messwert-Mauschelei». Das Vertrauen sei verspielt, so Sprecherin Luise Neumann-Cosel, und die Informationspolitik der Landesregierung »nicht besser als bei Tschernoby und Fukushima». Jochen Stay von »ausgestrahlt» warf niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) vor, zu »tricksen und zu täuschen» und die »Strahlung einfach wegzurechnen», die nachweisbar von seiner Landesbehörde, nämlich dem NLWKN (Landesbehörde für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) gemessen worden war.

Die Bürgerinitiative Umweltschutz warf Umweltminister Sander »Rechentricks und Täuschung der Öffentlichkeit» und der Landesregierung Untätigkeit vor, und Greenpeace monierte, dass die Entscheidung des Umweltausschusses »auf falsch berechneten Messwerten» beruhe - und die »Einlagerung weiterer Castoren damit unzulässsig» sei.
Quelle: EJZ

Transportankündigung: Empörung bei Castorgegnern /31.10.11

Transportankündigung: Empörung bei Castorgegnern

Empörung löste bei Castorgegnern die Ankündigung des Niedersächsischen Umweltministeriums aus, in den nächsten Tagen den für November geplanten Castortransport genehmigen zu wollen. Zuvor hatten Vertreter des NMU den Umweltausschuss des Landtages in Lüchow über die aktuellen Messergebnisse informiert.

Lautstark protestierten Castorgegner vor dem Sitzungssaal im Kreishaus, als bekannt wurde, dass das NMU trotz aller Unsicherheiten über überhöhte Strahlungswerte am Gorlebener Zwischenlager den für November geplanten Transport mit hoch radioaktivem Abfall "in den nächsten Tagen" genehmigen werde.

"Wie wollen Sie diese Entscheidung der Öffentlichkeit erklären?", versuchte nicht nur BI-Vorsitzende Kerstin Rudek eine Aussage zu der NMU-Entscheidung zu bekommen. Doch die Vertreter des Ministeriums, Referatsleiter Hans-Christoph Salfeld und einige seiner Mitarbeiter, hatten es vorgezogen, sich den Fragen der Öffentlichkeit nicht zu stellen und waren kurz nach der Sitzung verschwunden. Statt dessen informierte eine Pressemitteilung die Öffentlichkeit über die Sichtweise des Ministeriums.

Lediglich Karin Bertholdes-Sandrock, als hiesige CDU-Abgeordnete Mitlied im Umweltausschuss, verteidigte den Beschluss, wurde aber von enttäuschten Castorgegnern verbal hart angegangen. Auch sie verließ daraufhin recht schnell das Kreishaus. Aus der (nichtöffentlichen) Sitzung wurde berichtet, dass Bertholdes-Sandrock dort nachgefragt habe, warum denn der Grenzwert nicht hochgesetzt würde, das "würde doch Probleme ersparen".
Landkreis prüft Klagemöglichkeiten

Der LINKE-Abgeordnete Kurt Herzog, Umweltpolitischer Sprecher seiner Fraktion, wiederholte, wie er das Vorgehen bewertet: "Hier wird manipuliert, geschönt und hingerechnet, so lange bis es passt. Das Ganze ist noch verbunden mit der Unmöglichkeit, dagegen zu klagen - ein einziger Skandal."

Der Atomausschuss des Landkreises hatte in seiner letzten Sitzung beschlossen, gegen die Einlagerungsgenehmigung zu klagen bzw. zu prüfen, welche Klagemöglichkeiten der Landkreis hat. Doch Landrat Jürgen Schulz ist skeptisch, dass eine Klage Erfolg haben wird: "Nach den uns bis jetzt vorliegenden Rechtsauskünften wird eine Klage wahrscheinlich gar nicht zugelassen, da wir nach Rechtsansicht nicht betroffen sind." Ein Zustand, der Landrat Schulz auch deswegen höchst unzufrieden macht, weil die zuständigen Stellen den Landkreis auch ansonsten in Gorleben-Fragen kaum einbeziehen. "Selbst für den Landkreis so wichtige Fakten wie die womögliche Überschreitung der Grenzwerte in Gorleben erfahre ich zuerst aus der Presse", so Schulz am Montag. "Da gibt es deutlich Verbesserungsbedarf."

Das NMU hatte dem Landrat zwar erst unlängst versprochen, dass sich in Sachen Kommunikation etwas ändern würde, doch lt. Schulz hat sich bisher "nichts getan".

Ergänzung: Irritiert zeigte sich Landrat Schulz auch über die Begründung für die durch die PTB angenommene Hintergrundstrahlung: "Wenn der Umgebungswahll Tschernobyl-belastetes Material enthält und der Schotterweg ebenfalls strahlt, so frage ich mich, warum ein solches Material für ein so sensibles Objekt wie das Zwischenlager überhaupt eingesetzt wurde." Außerdem stelle sich die Frage, wieso diese Tatsache erst jetzt durch die PTB-Messungen bekannt geworden ist.
Grüne: Manipulationsverdacht erhärtet

Auch für die Landtags-Grünen hat sich nach Ansicht des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Stefan Wenzel der "Verdacht einer Manipulation der Messwerte" erhärtet. Es gebe Hinweise auf eine schon länger anhaltende Überschreitung der Messwerte für die radioaktive Strahlung. So seien im Jahresbericht 2010 zur Umgebungsüberwachung die Messwerte an dem Referenzmesspunkt für natürliche Hintergrundstrahlung im Weißen Moor bei Gorleben nicht eindeutig ausgewiesen worden.

Auf Nachfrage hätte das Ministerium auch am Montag keine Neutronen-Messwerte von TÜV und Physikalisch-Technischer Bundesanstalt (PTB) für den Messpunkt im Weißen Moor nennen können. Für den Gamma-Wert der Messung sei auf 169 Seiten nur eine einzige Zahl aufgeführt, die jedoch in die Analyse für den wichtigen "ungünstigen Aufpunkt" nicht einfließen würde.

Die Herausgabe der entsprechenden Werte des Niedersächsischen Landesamtes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) für die Vorjahre hatte der Staatssekretär vor der heutigen Sitzung mit dem Hinweis auf ein kompliziertes Verfahren verweigert.

Offen sei auch weiterhin, wie genau und aufgrund welcher Genehmigungsgrundlage die Castoren im Zwischenlager umgestellt wurden, sagte Wenzel. Insgesamt sind 19 Castoren umgestellt worden. Dies erfolgte angeblich nur aus Gründen des Terrorschutzes, gleichzeitig wurde vom Betreiber, der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS), aber eingeräumt, dass die Maßnahme auch eine Absenkung der Strahlenbelastung am Kontrollpunkt zur Folge habe.

Wenzel: "Indizien deuten darauf, dass der Genehmigungswert für die Strahlung schon länger überschritten wurde!" Der Betreiber habe sich aber offenbar zur Verschleierung entschieden, weil er fürchtete, dass die Beantragung einer Änderungsgenehmigung zu Protesten geführt hätte. "Wenn sich herausstellt, dass die niedersächsische Atomaufsicht geschlampt oder sogar bewusst weggeschaut hat, dann haben wir es mit einem handfesten Skandal zu tun. Klar ist schon jetzt, dass die Rechtsgrundlagen und die Genehmigungsgrenzwerte keinen weiteren Transport zulassen!", sagte der Grünen-Politiker.

von Angelika Blank , 2011-10-31 16:18
Quelle: wendland-net

Samstag, 29. Oktober 2011

Bundesweite Anti-Atom-Proteste /29.10.11

Bundesweite Anti-Atom-Proteste "Schotter"-Training mit der Polizei

In knapp vier Wochen soll der Castor durchs Wendland rollen - wenn Atomgegner ihn nicht stoppen. Um sie zu aktivieren, gibt es heute bundesweit Protestaktionen. Und Unterstützung von der Polizei.
Von Manuela Pfohl

Das waren noch Zeiten! Als vergangenen November 50.000 Aktivisten im Wendland gegen den Castor protestierten und Ende März, kurz nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima, mehr als 250.000 Menschen in Deutschland auf die Straße gingen. Als an unzähligen Autos die Aufkleber mit der gelben Sonne klebten und sich die Yuppies Anti-Atomkraft-Buttons an die Designerjacketts steckten. Vorbei! Jetzt, acht Monate und einen Kompromiss-zum-Atomausstieg später, steht ein neuer Castortransport an. Doch nicht wenige Aktivisten befürchten, es könnte statt des Sturms gegen den Atommüll nur noch ein laues Lüftchen rund um Gorleben wehen. Viele Sympathisanten und selbst einige alte Anti-AKW-Haudegen winken nämlich inzwischen ab.

Mit dem Kompromiss zum Atomausstieg bis zum Jahr 2022 seien die Ziele des Widerstands in Deutschland schließlich erreicht. Die Castortransporte bis zum endgültigen Aus müsse man halt notgedrungen hinnehmen. Da half es wenig, dass die großen Initiativen erklärten: ja, aber über die Hälfte der AKWs darf noch mehr als zehn Jahre weiterlaufen. Auch der Einwand, dass selbst bei den außer Betrieb genommenen Reaktoren unklar sei, wie dauerhaft ihre Abschaltung sein wird, verhallte weitgehend. Mitten im schönsten Konsens wollte kaum jemand etwas hören von "Standbyaktivitäten", "Kaltreserven" und verborgenen "Sicherheitsmängeln". Das Ergebnis: Zur lange angekündigten Blockade des Kernkraftwerkes in Brokdorf waren im Juni gerade noch 250 Aktivisten gekommen. War es das?

Viermal soviel Radioaktivität wie beim Super-GAU

Mit einer bundesweiten Mobilisierungskampagne soll das Ende der Anti-Atom-Aktionen doch noch abgewendet werden. In mehr als 57 Orten bundesweit sind für den heutigen Samstag Aktionen lokaler Initiativen gegen den Castortransport geplant, der mit insgesamt elf Behältern ab dem 24. November von der französischen Plutoniumfabrik in La Hague Richtung Wendland rollt - und in jedem einzelnen Behälter viermal soviel Radioaktivität enthält, wie beim Super-GAU in Fukushima ausgetreten ist.

Die klare Ansage des Bündnisses zum Castor-Aktionstag lautet: "Nicht nur in Gorleben, auch in Freiburg, Husum, Aachen oder Erfurt stellen wir uns quer gegen ein Endlager im maroden Gorlebener Salzstock und gegen den Castortransport ins Wendland. Denn Gorleben ist überall!" Dirk Werner, Sprecher von www.lagatom.de erklärt: "Jegliche Atommülltransporte wie zum Beispiel der Castor sind abzulehnen, solange in Atomkraftwerken, Atomforschungseinrichtungen, Uranminen, Urananreicherungsanlagen und Brennelementefabriken weiter neuer Atommüll produziert wird." Tatsächlich ist die Endlagerung des Atommülls die Achillesferse des Atomkompromisses. Denn noch gibt es weltweit kein sicheres Lager. Und Gorleben ist was seine Eignung angeht, mehr als umstritten.

Viel Geld für Gorleben-Erkundungen

Laut "ausgestrahlt", dem Bündnis verschiedener Anti AKW-Initiativen, sind im Entwurf des Bundeshaushaltes 2012 für die Fortsetzung der Bauarbeiten im Salzstock Gorleben 73 Millionen Euro vorgesehen. 2010 seien es nur 25,4 Millionen gewesen. Für die Suche nach anderen Entsorgungsoptionen seien dagegen lediglich 3,5 Millionen Euro eingeplant. Die Gorleben-Kritiker meinen: "Das stärkt den Verdacht, dass im Salzstock Gorleben mit Hochdruck Fakten geschaffen werden, während alternativ nur hier und da mal Studien über Atommüll-Lagerung in anderen Gesteinen wie Ton oder Granit angefertigt werden sollen."

In seinem Mobilisierungsaufruf appelliert Jochen Stay, einer der bekanntesten Aktivisten, deshalb an die vielen müden Kämpfer: "In der nächsten Zeit haben wir die einmalige Chance, das Endlagerprojekt in Gorleben zu kippen! Wir können damit den Einsatz und die Beharrlichkeit Zehntausender aus den letzten 34 Jahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen."

Greenpeace deckt grenzwertige Informationspolitik auf

Dass die Umweltorganisation Greenpeace Anfang der Woche die Ergebnisse einer Untersuchung zur Strahlenbelastung in Gorleben veröffentlichte, dürfte zusätzlichen argumentativen Auftrieb geben. Darin heißt es; "Der zulässige Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert könnte am Zwischenlager Gorleben bis Jahresende überschritten werden." Wenn das stimmt, dann kann keinesfalls zusätzlicher Müll mit dem Castor angeliefert werden, denn es bestünde eine erhebliche Gesundheitsgefährdung der Menschen. Ende Oktober will das niedersächsische Innenministerium entscheiden, was nun werden soll.

Bislang hatte es offiziell erhöhte Strahlenwerte abgestritten. Inoffiziell allerdings sah es anders aus, wie das NDR-Fernsehmagazin "Hallo Niedersachsen" nachwies. Es hatte schon vor Wochen einen internen Vermerk der Behörde zitiert, die für die Messungen verantwortlich ist. In dem Vermerk des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) heißt es, nach den aktuellen Werten sei nicht auszuschließen, dass die erlaubte Jahresdosis für 2011 überschritten werden könnte. Eine Einlagerung weiterer Castor-Behälter wäre dann nicht zulässig.

Die Polizei will auch keinen Castor

Eine Nachricht, die den Anti-Atomraft-Aktivisten ganz unerwartet eine neue Allianz bescherte, die sie bislang kaum für möglich gehalten hätte. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Greenpeacedaten erklärte die niedersächsische Gewerkschaft der Polizei (GdP) am Mittwoch: "Die GdP unterstützt die Forderung der Umweltschutzorganisation Greenpeace nach einer Absage des wahrscheinlich bevorstehenden Castortransports 2011, wenn sich die Zweifel an den bisherigen Strahlenmessungen bestätigen." Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Dietmar Schilff, meint klipp und klar: "Im Interesse der Bevölkerung und aller eingesetzten Polizeikräfte darf der offenbar geplante Transport im November nun keinesfalls stattfinden, falls dies zutrifft." In der Bewegung rieb man sich ungläubig die Augen beim Lesen des GdP-Zitates und im Vorfeld des heutigen Aktionstages war sogar die Rede davon, die Beamten künftig zum gemeinsamen "Schotter-Training" einzuladen.
Quelle: stern.de

Der Grenzwert am Zwischenlager kann in diesem Jahr überschritten werden /26.10.11

Gorleben: Greenpeace deckt falsche Berechnungen bei Strahlenmessungen auf/ Der Grenzwert am Zwischenlager kann in diesem Jahr überschritten werden

Hannover (ots) - Das Niedersächsische Umweltministerium (NMU) hat nach Ansicht von Greenpeace erhebliche Fehler bei der Berechnung der Strahlenmessungen am Atommüll-Zwischenlager Gorleben gemacht. Mit einer aktuellen Analyse weist die unabhängige Umweltschutzorganisation heute nach, dass der zulässige Jahresgrenzwert von 0,3 Millisievert am Zwischenlager bis Jahresende überschritten werden kann. Die Strahlenmessungen bilden die Grundlage für die Ende Oktober anstehende Entscheidung des Ministeriums über den diesjährigen Castortransport. Die Greenpeace-Berechnungen ergeben eine mögliche diesjährige Strahlendosis von 0,305 Millisievert. Das NMU hatte hingegen einen Strahlenwert von 0,233 Millisievert errechnet.

"Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, der Castortransport muss für dieses Jahr abgesagt werden", so Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace. "Bei der Bewertung des Ministeriums handelt es sich um klare Berechnungsfehler, bei denen es keinen Interpretationsspielraum gibt. Es scheint, als hätte Umweltminister Sander die Messwerte heruntergerechnet, um den geplanten Castortransport nicht zu gefährden."

Die aktuellen Berechnungen von Greenpeace beweisen erneut, dass keine Castoren mehr in das Zwischenlager eingelagert werden dürfen. Voraussichtlich am letzten Novemberwochenende sollen elf Castorbehälter aus der französischen Plutoniumfabrik La Hague nach Gorleben transportiert werden. Jeder Castor beinhaltet vier Mal so viel Radioaktivität wie beim Super-GAU in Fukushima ausgetreten ist.

Hintergrund: Wie hat das Niedersächsische Umweltministerium gerechnet?

Um die aus der Castorhalle austretende Strahlung zu berechnen, werden in der Umgebung des Zwischenlagers zunächst Neutronen- und Gammastrahlung gemessen. Von diesen Werten wird die dauerhaft vorhandene natürliche Hintergrundstrahlung abgezogen. Anschließend werden die Werte addiert.

Für seine Berechnung des niedrigeren Strahlenwertes hat das NMU die Messdaten zweier Behörden kombiniert: Für das erste Halbjahr 2011 zieht das NMU die Messergebnisse des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) heran. Für das zweite Halbjahr 2011 stützt sich das NMU auf neue Messungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), die Anfang September in nur vier Tagen durchgeführt wurden. Die Aufteilung in Jahreshälften begründet das NMU mit einer Ende Juni erfolgten Umstellung von Castoren innerhalb der Lagerhalle. Diese habe die Strahlenbelastung rund um die Anlage gesenkt.

Bei der Berechnung hat das NMU allerdings drei erheblich Fehler gemacht, die zu der niedrigeren Prognose führten: Das NMU hat für das erste Halbjahr rückwirkend einen höheren Neutronen-Hintergrundwert angenommen. Da der höhere Hintergrundwert abgezogen wurde, fällt das Ergebnis entsprechend niedriger aus. Außerdem wurde unzulässigerweise im ersten Halbjahr eine Gammastrahlung von Null angenommen. Dabei liegen behördliche Messungen des NLWKN für diesen Zeitraum vor. Auch für das zweite Halbjahr wurde die Gammastrahlung nicht berücksichtigt, obwohl der TÜV-Bericht Werte liefert.
Quelle: Greenpeace

Castor-Zulassung war fünf Tage abgelaufen - für Behörden kein Problem / 24.10.11

Ahaus - Im Zwischenlager Ahaus stehen mehrere Castoren, für die eine Zulassung für mehrere Tage ausgelaufen war. Während die Atomkraftgegner von „Schlamperei“ sprechen, beruhigt die Atomaufsicht: Zwar sei es richtig, dass für die 18 Behälter aus dem ehemaligen Forschungsreaktor in Rossendorf bei Dresden die „verkehrsrechtliche Zulassung“ am 15. Oktober abgelaufen sei.

Aber: Nach den Worten eines Sprechers des Bundesamts für Strahlenschutz müsse der Betreiber Anträge rechtzeitig stellen. Die aktuelle Zulassung werde aber vor allem dann wichtig, wenn die Behälter vom Typ Castor MTR 2 vom Zwischenlager Ahaus an einen anderen Ort transportiert werden müssen. Das ist zurzeit nicht absehbar. Wenn die Transport-Auflage nicht erfüllt sei, heiße das aber noch nicht, dass die Genehmigung an sich nicht in Frage gestellt wird.

Die Überwachung der Auflagen liegt in den Händen der Atomaufsicht, die in NRW dem Wirtschaftsministerium zugeordnet ist. Die könne dem Betreiber zunächst eine Frist setzen, in der er die Auflage zu erfüllen hat. Dem Ministerium zufolge verzögert sich die Zulassung, die alle drei Jahre verlängert werden muss, gelegentlich. „Wir wussten, dass das Verfahren eingeleitet war“, meinte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Die neue Zulassung sei zudem am 20. Oktober erteilt worden.

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ erklärt: „Dieser Zustand hätte nie eintreten dürfen.“ Ihr Sprecher Felix Ruwe fordert unter anderem „eine unabhängige Überprüfung der Atomaufsicht in Nordrhein-Westfalen“.
VON STEFAN WERDING, MÜNSTER
Quelle: borkenerzeitung.de

Parlamentarier am Zwischenlager Gorleben abgewiesen / 22.10.11

Berlin - Weil sie sich nicht rechtzeitig angemeldet haben, hat der Betreiber des Zwischenlagers Gorleben am Freitag vier Parlamentariern den Einlass in das Brennelemente-Lager verwehrt. Auf die Schnelle sei die vorgeschriebene Überprüfung der Parlamentarier nicht möglich gewesen, sagte ein Sprecher der Betreiberfirma GNS. Die Abgeordneten von SPD, Linkspartei und Grünen wollten sich einen Eindruck von der Lagerung der Castor-Behälter verschaffen. Die Lagerhalle war zuletzt ins Gerede gekommen, nachdem eine Messstelle in der Umgebung erhöhte Strahlung festgestellt hatte. Umweltschützer fordern, den für nächsten Monat geplanten Castortransport abzusagen. Die Parlamentarier-Gruppe wähnt nun gezielte Verdunkelung. 'Man hätte Transparenz schaffen können und hat es nicht getan', sagte der SPD-Politiker Matthias Miersch. 'Die Frage ist, warum.' Betreiber GNS verweist dagegen auf die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager. 'Die Regeln gelten für jeden Besucher', so der Sprecher. 'Selbst für den Papst.'
Quelle: Sueddeutsche.de

Greenpeace: Atommüll nach Philippsburg / 19.10.11

Stuttgart (dpa) - Der nächste Castor-Transport sollte nach Auffassung von Greenpeace nicht nach Gorleben, sondern nach Philippsburg rollen und der Atommüll dort zwischengelagert werden. Nach einer am Mittwoch in Stuttgart vorgestellten Studie für die Umweltorganisation ist das Zwischenlager bei dem Atomkraftwerk im Kreis Karlsruhe sicherer als das in Niedersachsen, wo angeblich erhöhte Strahlenwerte für Aufregung gesorgt hatten.

Zudem seien die Transportwege für die Castoren, die Ende November von der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Deutschland transportiert werden sollen, deutlich kürzer. Rund ein Fünftel des bisher aus La Hague mit Ziel Gorleben (Niedersachsen) zurückgebrachten hoch radioaktiven Atommülls sei Baden-Württemberg zuzurechnen, sagte Greenpeace-Energieexperte Tobias Münchmeyer. Deshalb müsse der Müll in Philippsburg untergebracht werden.

Greenpeace griff die grün-rote Landesregierung scharf an. «Die Grünen brechen ihr Wort, wenn sie jetzt nicht den Weg für eine sichere Einlagerung in Philippsburg frei machen», sagte Münchmeyer. Vor der Landtagswahl hätten sie sich noch für eine Unterbringung nach dem Verursacherprinzip ausgesprochen, doch auch fünf Monate nach der Regierungsübernahme von Grün-Rot sei keinerlei Initiative zu sehen. Der Energiekonzern EnBW, der im Besitz des Landes und einiger oberschwäbischer Kommunen ist, müsse noch in diesem Jahr eine Erweiterungsgenehmigung für das Lager Philippsburg beantragen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warf EnBW am Mittwoch zudem Sicherheitsmängel beim Betrieb des AKW Philippsburg II vor. Der Reaktor sei im Mai 2009 bei Instandsetzungsarbeiten weitergelaufen, obwohl wichtige Sicherheitstechnik abgeschaltet worden sei, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake in Berlin. Nach einem anonymen Hinweis hatte seine Organisation Strafanzeige gestellt - das Verfahren wurde aber eingestellt.
Quelle: http://www.greenpeace-magazin.de

Greenpeace will Gorleben-Messungen einsehen / 7.10.11

Kurzzeitig sah es so aus, als würde der Castor-Transport in diesem Herbst nicht nach Gorleben rollen. Am Zwischenlager waren Ende August erhöhte Strahlenwerte gemessen worden, die eine Einlagerung weiterer Atommüllbehälter unmöglich gemacht hätten. Doch eine weitere Messung kam zu dem Ergebnis: Die Strahlungen sind gesunken, der Castor kann rollen. Die Umweltorganisation Greenpeace will nun überprüfen, ob bei den Messungen getrickst wurde, wie bereits die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) vermutete.

Wurden die Messwerte schöngerechnet?

Einsicht in die Akten soll Klarheit bringen. Dafür hat Greenpeace am Freitag beim niedersächsischen Umweltministerium hat Greenpeace einen Antrag nach dem Umweltinformationsgesetz gestellt. "Der Verdacht besteht, dass die Strahlenwerte schöngerechnet wurden, um unbeirrt an dem diesjährigen Castor-Transport festzuhalten", sagt Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. Bis nicht alle Fakten zur radioaktiven Strahlung am Zwischenlager öffentlich seien, "darf kein Castor nach Gorleben rollen", fordert Riedl.

Drei Institutionen kommen zu unterschiedlichen Messwerten

Drei Institutionen haben bislang unterschiedliche Strahlenwerte am Zwischenlager Gorleben gemessen. Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) als Betreiberin des Zwischenlagers kam zu einem Ergebnis, das unter dem kritischen Grenzwert von 0,27 Millisievert pro Jahr lag. Den Messungen des Niedersächsischen Landesamts für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zufolge lag die Strahlung über dem kritischen Grenzwert, was die letzte Messung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) später widerlegte.

Einsicht in den Schriftverkehr soll offene Fragen klären

Greenpeace will durch die Akteneinsicht in sämtliche Messdaten seit 1983 und den damit verbundenen Schriftverkehr der zuständigen Behörden klären, "ob es finanzielle und zeitliche Beschränkungen oder messtechnische Vorgaben des Ministeriums an die PTB gegeben hat". Eine weitere Frage die Riedl bewegt: "Warum hat die PTB überhaupt eine dritte Messungen gemacht anstatt die alarmierenden Werte der behördlichen Messungen zu überprüfen?"

Umweltministerium kontrolliert den Antrag

Innerhalb von vier Wochen muss das Ministerium auf den Antrag reagieren. "Die Anfrage wird zurzeit geprüft", sagt Jutta Kremer Heye, Sprecherin im Umweltministerium. Zeitgleich werden noch einmal die Strahlenmesswerte überprüft. "Der TÜV hat die Berechnungen noch einmal kontrolliert", sagt die Sprecherin. In der kommenden Woche sollen die Ergebnisse dann veröffentlicht werden. Ende Oktober will das Umweltministerium dann über den Castor-Transport entscheiden.
Quelle: ndr.de

Castortransport: Polizei meidet das Zwischenlager /6.10.11

Beim anstehenden Castor Transport sollen keine Polizeieinheiten auf dem Gelände des Zwischenlagers untergebracht werden, sagt Polizeisprecherin Wiebke Timmermann. Man habe sich aus taktischen Gründen dagegen entschieden - es mache keinen Sinn, eine kleine Einheit gesondert unterzubringen. Ein Zusammenhang mit der aktuellen Strahlendiskusion gebe es nicht. Bereits in den vergangen Jahren wurden die Polizisten gefragt, ob sie in den drei Unterkünften hinter der Castorhalle untergebracht werden wollten. Anscheinend gab es keine Bedenken.

In diesem Jahr sollen sie auf dem Bergwerksgelände untergebracht werden. Für die Sicherheit des Zwischenlagers sei der Betreiber verantwortlich, so die Polizeisprecherin. Polizisten könnten das Gelände im Bedarfsfall von aussen schützen.

Aus Gewerkschaftskreisen der Polizei ist zu hören, dass sie es begrüßen, wenn Beamte nicht mehr hinter der Castorhalle schlafen. Polizeigewerkschaften sorgen sich regelmässig um die Einsatzbedingungen. Vor allem die Versorgung mit Essen sei im vergangen Jahr ein Problem gewesen. Darauf hat die Polizeiführung nun reagiert: für die Essensversorgung gibt es eine eigene Einsatzleitung. Ausserdem werden technische Einheiten gebündelt, um auf mögliche Trecker-Blockaden oder Ankettaktionen reagieren zu können.
von dirk2d2, 2011-10-06 12:47
Quelle: Wendland-net

Umweltschützer: Strahlenwerte rund um Gorleben sind gefälscht /29.09.11

Bürgerinitiative kritisiert Messmethoden für Atommüll-Lager - Strafanzeige gestellt

Die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) rechne seit Jahren mit einem falschen Wert für die natürliche Strahlung, so die Bürgerinitiative

Schwere Vorwürfe gegen Gorleben-Betreiber: Atomexperten der Bürgerinitiative Umweltschutz (BI) werfen der Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) vor, Strahlenmessungen rund um das Atommülllager Gorleben gefälscht zu haben. Ein seit 2004 genutzter sogenannter Nullpunkt zur natürlichen Gammastrahlung sei nicht nur in direkter Nähe des Zwischenlagers ermittelt worden, sondern auch während dort die ersten Castoren eingelagert gewesen seien, sagte Wolfgang Kallen von der BI am Mittwoch in Hannover. "Das ist wissenschaftlich dilettantisch." Zudem sei es nicht zulässig, da sich die Jahresdosis durch die Einlagerung der Castoren seit 1997 stetig erhöht habe. Die BI beruft sich auf veröffentlichte GNS-Betriebsberichte.

Die BI hat bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg wegen "unerlaubter Freisetzung ionisierender Strahlung" Strafanzeige gegen den Betreiber gestellt. Sie klagt unter anderem gegen die Umlagerung von Castoren im Behälterlager und die mögliche Überschreitung des Grenzwertes in diesem Jahr. "Wenn die Grenzwerte überschritten werden, machen sich alle an der Einlagerung Beteiligten - auch Polizisten und Wachpersonal - strafbar", sagte Anwalt Martin Lemke. Die Staatsanwaltschaft hat vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) eine Stellungnahme angefordert. Sollte sie nicht ausreichen, könnte zum ersten Mal ein Castortransport nach Gorleben gestoppt werden.

"Seit 2003 werden die vom Bundesamt für Strahlenschutz genehmigten Grenzwerte rund um Gorleben überschritten", betonte Kallen. Nur durch die falschen Berechnungen habe dies bislang keine weiteren Konsequenzen gehabt. Im Falle einer Überschreitung des Jahreswertes von 0,3 Millisievert (mSv) hätte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) eingreifen und weitere Castor-Einlagerungen abgesagt werden müssen. Für Kallen und seine Mitstreiter steht fest: "Die GNS hat die Berichte absichtlich geschönt."

Zudem habe sich seit Beginn der Einlagerung von Atommüll im Zwischenlager die Neutronenstrahlung im rund 1,9 Kilometer vom Zwischenlager entfernten Ort Gorleben verdoppelt. "Diese Werte wurden von der GNS selbst ermittelt", sagte Kallen.

Die BI fordert die Absage des vermutlich für das erste Adventwochenende geplanten Castortransports. "Wir werden seit 34 Jahren belogen und betrogen", sagte BI-Vorsitzende Kerstin Rudek. "Wir sind keine Zahlen auf Papier, sondern Menschen mit Ängsten." Wenn auch nicht juristisch, so sei Landeschef David McAllister (CDU) zumindest moralisch verantwortlich. "Wir fordern, dass er sich uns stellt, zur Diskussion kommt und nicht heimlich einfährt." McAllister war in der Vorwoche in Gorleben. Auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) habe bei den Anfang der Woche vorgestellten neuen Messwerten Fehler begangen, betonte Kallen. Einzig der Landesbetrieb NLWKN habe richtig gemessen. Er hatte für das erste Halbjahr am Zaun des Zwischenlagers eine Neutronenstrahlung von 0,27 Millisievert (mSv) verzeichnet und vor einer Überschreitung des Grenzwertes gewarnt. Daraufhin hatte das Umweltministerium bei der PTB neue Messungen in Auftrag gegeben, welche mit 0,212 mSv deutlich niedriger ausgefallen waren. PTB und GNS gehen davon aus, dass es vor Ort keine Gammastrahlung gibt.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister rechnet angesichts der Strahlenwerte am Atommülllager Gorleben unterdessen nicht mit einer Absage des Castortransports Ende November. "Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird es einen Castortransport geben", sagte der CDU-Politiker. "Wir sind hier nicht im rechtsfreien Raum, sondern es gibt auch rechtliche Ansprüche, an die wir uns zu halten haben." Kürzlich hatte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Hannover die Ergebnisse ihrer jüngsten Strahlenmessungen vorgelegt. Demzufolge liegt die Gesamtstrahlung am Atommüll-Zwischenlager Gorleben deutlich unter dem zugelassenen Jahresgrenzwert.
Quelle: Welt.de

Strahlung aus den Lüftungsschächten / 26.09.11

Wärmebilder in Gorleben
Strahlung aus den Lüftungsschächten

Am Wochenende haben Greenpeace-Mitglieder das Atommüllzwischenlager in Gorleben fotografiert. Ihr Fazit: Aus der Lüftung könnte was durchsickern.

Hannover dpa/taz| Greenpeace-Mitglieder haben nach eigenen Angaben in der Nacht zum Samstag mit einer Wärmebildkamera Aufnahmen vom Atommüllzwischenlager in Gorleben gemacht. Die Aufnahmen zeigten die Abwärme der dort gelagerten Castorbehälter, teilte die Organisation mit.

Die aufgeheizte Luft trete aus den Lüftungsschlitzen ungefiltert aus. Auch sogenannte Streustrahlung gelange zu einem großen Teil auf diesem Weg in die Umwelt.

"Die Wärmeverteilung auf den Greenpeace-Bildern zeigt auch, dass die 102 Atommüllbehälter im nördlichen Teil der Castorhalle stehen", erklärte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. Die Lüftungsschlitze würden dort deutlich wärmere Luft abgeben.

"Umweltminister Hans-Heinrich Sander sollte den Messungen seiner eigenen Behörde vertrauen, anstatt die alarmierenden Messwerte in Zweifel zu ziehen", so Riedl weiter. "Die logische Konsequenz muss sein: Castorstopp für Gorleben." Eine Absage des Castortransports hatte Sander vor zwei Wochen ausgeschlossen.

Der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtags berät an diesem Montag über die erhöhten Strahlenwerte am Zwischenlager. In nicht öffentlicher Sitzung informiert Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) über die bisherigen Maßnahmen zur Senkung der Ende August von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt gemessenen Werte.
Quelle: taz.de